{"id":66302,"date":"2022-04-01T14:00:44","date_gmt":"2022-04-01T13:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/steinbock-tiere-der-berge\/"},"modified":"2022-04-01T14:00:44","modified_gmt":"2022-04-01T13:00:44","slug":"steinbock-tiere-der-berge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/steinbock-tiere-der-berge\/","title":{"rendered":"Der Steinbock &#8211; K\u00f6nig der Berge"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Steinbocks ist ein wenig kompliziert und f\u00fchrt uns in entlegene Gebiete unseres Kontinents. Au\u00dferdem ist sie eine Geschichte von einer nur knapp verhinderten Ausrottung, gekauften Wilderern und potenzsteigernden Mitteln. Sie handelt von Diebstahl, \u00d6tzis letzter Mahlzeit und nicht zuletzt von einem beeindruckenden Tier der Berge, das bis heute die Menschen in seinen Bann zieht. Alles was es \u00fcber den Steinbock sonst noch zu wissen gibt, und wie der K\u00f6nig der Berge letztendlich von einem \u201erichtigen\u201c K\u00f6nig gerettet wurde, erfahrt ihr in diesem Beitrag.<\/p>\n<h2>Daten und Fakten<\/h2>\n<p>Zu den Steinb\u00f6cken z\u00e4hlen mehrere Arten aus der <strong>Gattung der Ziegen<\/strong>. Diese hat jedoch eine \u00e4u\u00dferst komplexe Systematik, wodurch die Verwandtschaft der einzelnen Steinbockarten untereinander auch nur schwer zu erkl\u00e4ren ist. Insgesamt gibt es sieben Arten, die den Namen \u201eSteinbock\u201c tragen, was jedoch nicht auf den Grad der Verwandtschaft schlie\u00dfen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Hierzu ein Beispiel: W\u00e4hrend der Alpensteinbock mit seinem geografisch n\u00e4chstgelegenen Nachbarn, dem Iberiensteinbock, relativ nah verwandt ist, ist der Westkaukasische Steinbock deutlich enger mit der dort heimischen Wildziege verwandt, als mit seinem direkten Nachbarn, dem Ostkaukasischen Steinbock.<\/p>\n<p>Wie genau die einzelnen Steinbockarten untereinander verwandt sind und wo genau sie in der Systematik einzuordnen sind, wird immer wieder durch genetische Studien erforscht und ist <strong>bislang nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt<\/strong>. Wir machen es daher wie so oft und greifen uns mit dem Alpensteinbock einen Vertreter dieser Gruppe heraus.<\/p>\n<figure id=\"attachment_46426\" aria-describedby=\"caption-attachment-46426\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_4755.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-46426\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_4755-300x225.jpg\" alt=\"Steinbock im Hochgebirge\" width=\"300\" height=\"225\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-46426\" class=\"wp-caption-text\">Steinb\u00f6cke leben im Hochgebirge zwischen Baum- und Eisgrenze.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Alpensteinbock (Capra ibex), auch Gemeiner Steinbock<\/strong><\/p>\n<p>Familie: Horntr\u00e4ger<br \/>\nUnterfamilie: Antilopinae<br \/>\nTribus: Ziegenartige<br \/>\nGattung: Ziegen<br \/>\nArt: Alpensteinbock<\/p>\n<p>Kopf-Rumpf-L\u00e4nge: ca. 150 cm<br \/>\nSchulterh\u00f6he: Weibchen bis 80 cm, M\u00e4nnchen bis 95 cm<br \/>\nGewicht: Weibchen 40-50 kg; M\u00e4nnchen 70-120 kg<br \/>\nBesondere Merkmale: B\u00f6cke tragen ein gro\u00dfes nach hinten gebogenes Geh\u00f6rn (L\u00e4nge bis zu 1 m), Gei\u00dfen tragen vergleichsweise kurze, nur leicht gebogene H\u00f6rner<\/p>\n<p>Lebensraum: Hochgebirge, zwischen Wald- und Eisgrenze<br \/>\nHauptaktivit\u00e4t: tags\u00fcber<br \/>\nNahrung: Wildkr\u00e4uter, Gr\u00e4ser aber auch Str\u00e4ucher<br \/>\nBrunftzeit: Dezember \/ Januar<br \/>\nTragezeit: 5-6 Monate<br \/>\nLebenserwartung: \u00fcber 20 Jahre<br \/>\nBestand im Alpenraum: ca. 45 000<\/p>\n<h2>Aussehen und Merkmale<\/h2>\n<p>Bei den Steinb\u00f6cken sind die <strong>M\u00e4nnchen deutlich gr\u00f6\u00dfer und schwerer<\/strong>, als die Weibchen. W\u00e4hrend es B\u00f6cke problemlos auf ein Gewicht von \u00fcber 100 kg bringen, wiegen Weibchen in etwa gerade mal die H\u00e4lfte. Steinb\u00f6cke sind Horntr\u00e4ger, wie beispielsweise auch K\u00fche, G\u00e4msen oder Gazellen. Im Gegensatz zu Geweihtr\u00e4gern, wird das Horn ganzj\u00e4hrig getragen und nicht abgeworfen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_46427\" aria-describedby=\"caption-attachment-46427\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/dusan-veverkolog-VhewHjv3Hxk-unsplash.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-46427\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/dusan-veverkolog-VhewHjv3Hxk-unsplash-300x225.jpg\" alt=\"Steinbockweibchen mit ihrem Kitz.\" width=\"300\" height=\"225\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-46427\" class=\"wp-caption-text\">Steinbockweibchen haben kleinere H\u00f6rner und im Sommer eine andere Fellfarbe.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gei\u00dfen und B\u00f6cke lassen sich neben Gr\u00f6\u00dfe und Gewicht am einfachsten anhand ihrer H\u00f6rner voneinander unterscheiden. Bei den M\u00e4nnchen ist das Geh\u00f6rn \u00e4u\u00dferst beeindruckend und kann bis zu einem Meter lang werden, das Gewicht des Geh\u00f6rns liegt dann etwa bei zehn Kilogramm. Das Geh\u00f6rn der Weibchen ist mit maximal 30-40 cm L\u00e4nge deutlich kleiner und dementsprechend auch leichter. Au\u00dferdem ist es weniger stark gekr\u00fcmmt.<\/p>\n<p>Egal ob Bock oder Gei\u00df, <strong>das Geh\u00f6rn w\u00e4chst bei den Steinb\u00f6cken ein Leben lang<\/strong>. Gerade bei den M\u00e4nnchen bilden sich dabei deutlich zu erkennende Zuwachsringe, die auf das alter des Tiers schlie\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>Alpensteinb\u00f6cke sind <strong>im Winter gr\u00e4ulich<\/strong> gef\u00e4rbt, das Fell ist au\u00dferdem l\u00e4nger und dichter als im Sommer. Hierdurch sind die Tiere gut vor extremer Witterung gesch\u00fctzt. F\u00fcr die w\u00e4rmeren Monate erfolgt ein Fellwechsel. Das <strong>Sommerfell der B\u00f6cke ist dabei dunkelbraun<\/strong>, <strong>Weibchen sind eher r\u00f6tlich oder goldbraun<\/strong> gef\u00e4rbt. M\u00e4nnliche Tiere tragen au\u00dferdem ganzj\u00e4hrig einen Ziegenbart.<\/p>\n<p>Fragt man sich, warum die Steinb\u00f6cke so gute Kletterer sind, muss man sich nur die Hufe n\u00e4her ansehen. Steinb\u00f6cke sind Paarhufer. Ihre Hufe bestehen also aus je zwei Zehen, die getrennt voneinander bewegt werden k\u00f6nnen. Die R\u00e4nder dieser Zehen sind verhornt und dadurch sehr fest, was den Tieren eine <strong>gute Trittsicherheit<\/strong> verleiht.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sind die Ballen relativ weich und verhindern ein Abrutschen zuverl\u00e4ssig. Hierdurch finden die Tiere auch problemlos in steilem und exponiertem Gel\u00e4nde halt und sind echte Kletterk\u00fcnstler. Im Gegensatz zu den G\u00e4msen kommen sie weit herum. Steinb\u00f6cke gelten als <strong>ausdauernde Wanderer<\/strong> und bewegen sich nicht selten einen Gebiet von \u00fcber 100 Quadratkilometern.<\/p>\n<h2>Lebensweise und Verbreitungsgebiet<\/h2>\n<p>Steinb\u00f6cke gibt es in Europa, Asien und Afrika. Schauen wir uns also einmal an, wo die einzelnen Arten so durchs Gel\u00e4nde springen:<\/p>\n<ul>\n<li>Alpensteinbock: Gesamter Alpenraum<\/li>\n<li>\u00c4thiopischer Steinbock: Zentral\u00e4thiopien, Simienberge<\/li>\n<li>Iberiensteinbock: Iberische Halbinsel, vor allem im S\u00fcden und Osten Spaniens<\/li>\n<li>Nubischer Steinbock: Nordostafrika und Arabische Halbinsel<\/li>\n<li>Ostkaukasischer Steinbock und Westkaukasischer Steinbock: jeweils \u00f6stlicher oder westlicher Teil des Kaukasus<\/li>\n<li>Sibirischer Steinbock: S\u00fcdliches Russland, westliche Mongolei, Westchina<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_46428\" aria-describedby=\"caption-attachment-46428\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/pexels-anna-perkas-7338906.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-46428\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/pexels-anna-perkas-7338906-300x225.jpg\" alt=\"Steinbockm\u00e4nnchen zwischen den Felsen\" width=\"300\" height=\"225\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-46428\" class=\"wp-caption-text\">Steinbockm\u00e4nnchen erkennt man an den gro\u00dfen H\u00f6rnern und ihrem Ziegenbart.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber zur\u00fcck zum Alpensteinbock: Dieser lebt hoch in den Alpen. Bis zu 20 Weibchen und ihre Jungtiere bilden dabei <strong>Herden<\/strong>. Au\u00dferdem gibt es reine <strong>Junggesellengruppen<\/strong>, \u00e4ltere Steinb\u00f6cke sind hingegen <strong>Einzelg\u00e4nger<\/strong>. Weibchen und M\u00e4nnchen treffen nur zur Paarungszeit zusammen. Diese findet in der Regel im Dezember und Januar statt.<\/p>\n<p>Der Brunftzeit voraus gehen <strong>Rangordnungsk\u00e4mpfe der m\u00e4nnlichen Tiere<\/strong>. Da Steinb\u00f6cke im Winter aber aufgrund des knappen Nahrungsangebots Energie sparen m\u00fcssen, werden diese bereits den Sommer \u00fcber ausgetragen. Diese K\u00e4mpfe sehen zwar brutal aus, folgen aber ritualartigen Regeln und sind im Gegensatz zum Kampf der G\u00e4msen nicht lebensbedrohlich.<\/p>\n<p>Steinb\u00f6cke leben in schroffem und felsigen Terrain in den H\u00f6henlagen der Alpen <strong>zwischen Wald- und Eisgrenze<\/strong>. Selten und vor allem in besonders harten Wintern steigen die Tiere zur Nahrungssuche auch in tiefer gelegene Gebiete ab. Die \u201eWanderwege\u201c der Steinb\u00f6cke verlaufen dabei in der Regel durch schwer zug\u00e4ngliches Terrain, \u00fcber Grate, Gipfel und durch steile H\u00e4nge.<\/p>\n<p>Flaches Terrain und T\u00e4ler werden gemieden. <strong>Steinb\u00f6cke ern\u00e4hren sich \u00fcberwiegend von Kr\u00e4utern und Gr\u00e4sern<\/strong>, vereinzelt auch von Str\u00e4uchern. B\u00e4ume hingegen werden von den Steinb\u00f6cken gemieden und nur im \u201eNotfall\u201c bei sehr viel Schnee als Nahrungsquelle hinzugezogen. Steinb\u00f6cke richten daher so gut wie keine Verbisssch\u00e4den an.<\/p>\n<h2>Mensch und Steinbock<\/h2>\n<p>Bis zur Jungsteinzeit waren die Steinb\u00f6cke ein <strong>wichtiges Jagdwild<\/strong> der im Alpenraum lebenden Menschen, sowohl das Fell als auch das Fleisch der Tiere wurde dabei verwertet. Kein Wunder also, dass auch in \u00d6tzis Magen entsprechende Spuren gefunden wurden, ein Gericht aus Steinbockfleisch und Farn gilt als seine letzte Mahlzeit.<\/p>\n<p>In der Antike und im Mittelalter wirkten die Alpen auf die Menschen furchteinfl\u00f6\u00dfend. Die Vorstellung durch die Alpen reisen zu m\u00fcssen erweckte mitunter \u00c4ngste, was wiederum zur Mythenbildung f\u00fchrte. Rund um die Alpen gibt es seither zahlreiche sagenhafte Erz\u00e4hlungen, die vor allem in der Vergangenheit auch stark vom Volksglauben beeinflusst wurden.<\/p>\n<p>Dem Steinbock, als majest\u00e4tisches Tier, das hoch in den Bergen lebt, wurden seit jeher <strong>besondere Kr\u00e4fte<\/strong> zugesprochen. Kein Wunder also, dass man sich diese besonderen Kr\u00e4fte zu eigen machen wollte. Dies wiederum f\u00fchrte zur intensiven Bejagung der Tiere und der Dezimierung der Population bis hin zur drohenden Ausrottung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_46429\" aria-describedby=\"caption-attachment-46429\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/amza-andrei-8HYWApxK4qM-unsplash.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-46429\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/amza-andrei-8HYWApxK4qM-unsplash-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-46429\" class=\"wp-caption-text\">Steinb\u00f6cken wurden im Mittelalter magische Eigenschaften zugeschrieben. Deshalb wurden sie stark bejagt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Steinb\u00f6cke wurden dabei aber nicht in erster Linie als Nahrungsquelle gejagt, sondern aus \u00e4hnlich bescheuerten Gr\u00fcnden, warum auch heute noch Jagd auf Nash\u00f6rner und Elefanten gemacht wird: weil der Mensch sich <strong>Troph\u00e4en, Gl\u00fccksbringer sowie potenzsteigernde Mittel und Wunderdrogen<\/strong> erhofft. Der Alpensteinbock galt dabei quasi als wandelnde Apotheke. Verwertet wurden alle Bestandteile eines Tiers, mit aus heutiger Sicht teilweise l\u00e4cherlich wirkenden Versprechungen. Hierzu zwei Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Das <strong>Herzkreuz oder Herzknochen<\/strong>: Hierbei handelt es sich um eine Verkn\u00f6cherung der Scheidewand der Herzkammern, die in den Herzen mancher Paarhufer zu finden ist. Auch in den Herzen von Steinb\u00f6cken k\u00f6nnen sich diese Herzkreuze ausbilden, kommen aber bei Weitem nicht bei jedem Tier vor. Entsprechend der damaligen Vorstellung, dass besondere tierische Teile auch besondere Wirkungen auf den Menschen haben k\u00f6nnen, kam auch das Herzkreuz in den Fokus der Menschen.<br \/>\nEs wurde dabei nicht nur als Talisman getragen, sondern auch in unterschiedlichster und teilweise abenteuerlicher Weise zubereitet als Medizin verwendet. Herzleiden sollten damit geheilt, das Ged\u00e4chtnis verbessert und die Potenz gesteigert werden. Wissenschaftlich gesehen \u00fcbrigens ganz gro\u00dfer Quatsch&#8230;<\/li>\n<li>Die <strong>Bezoarkugel<\/strong>: Steinb\u00f6cke bilden im Lauf ihres Lebens sogenannte Bezoarkugeln oder auch Magensteine. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Fellresten sowie anderen unverdaulichen Teilen wie beispielsweise Baumharzen. Diese Kugeln verbleiben im Magen der Tiere, beeintr\u00e4chtigen dessen Gesundheit normalerweise aber nicht. In der Volksmedizin und im allgemeinen Hokuspokus sind diese Kugeln gerne gesehen, weil sie unter anderem, entsprechend zubereitet und eingenommen, vor Vergiftungen sch\u00fctzen sollen. Igitt, echt, b\u00e4h.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Lange Rede, kurzer Sinn: Man trieb es mit der Steinbockjagd so wild, dass <strong>Anfang des 19. Jahrhunderts nur noch rund 100 Tiere<\/strong> im italienischen Gran Paradiso \u00fcbrig geblieben waren. Ein sch\u00f6nes Beispiel, wozu Dummheit und Aberglaube f\u00fchren k\u00f6nnen. Nur dem Einsatz des F\u00f6rsters Josef Zimmer und dem Naturkundler Albert Girtanner ist es letztlich zu verdanken, dass die Tiere nicht vollends ausgerottet wurden.<\/p>\n<p>Zimmer und Girtanner machten 1820 die Beh\u00f6rden auf die stark gef\u00e4hrdete Population aufmerksam und schafften es so, dass die Steinb\u00f6cke im Gran Paradiso gesch\u00fctzt wurden. Einen wesentlichen Anteil daran hatte aber auch der damalige italienische <strong>K\u00f6nig Viktor Emanuel III<\/strong>, der das Gebiet ab den 1850er Jahren zu einem seiner Jagdreviere erkl\u00e4rte und die dort lebenden Steinb\u00f6cke durch zahlreiche eigens eingestellte Wildh\u00fcter (oft ehemalige Wilderer) sch\u00fctzen lie\u00df. Hierdurch konnte sich der Bestand bis Ende des 19. Jahrhunderts auf rund 3000 Tiere erholen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_46430\" aria-describedby=\"caption-attachment-46430\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ibex-g60437de0a_1920.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-46430\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ibex-g60437de0a_1920-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-46430\" class=\"wp-caption-text\">Alle heute lebende Alpensteinb\u00f6cke sind Nachfahren der 100 von K\u00f6nig Viktor Emanuel III geretteten.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit einer Population von <strong>3000 Tieren Ende des 19. Jahrhunderts<\/strong> war die Gef\u00e4hrdungslage der Art bei Weitem noch nicht vom Tisch und auch die Schweiz wollte die Wiederansiedlung der Steinb\u00f6cke vorantreiben. Trotz mehrerer Anfragen seitens der Schweiz verweigerte aber Italien den Export entsprechender Tiere und erteilte so den Gesuchen eine vehemente Absage.<\/p>\n<p>Was auf legalem Weg nicht zu bewerkstelligen war, geschah schlie\u00dflich durch Schmuggel. Bereits 1906 wurden erste Steinb\u00f6cke illegal zur Zucht in den St. Gallener Tierpark und sp\u00e4ter nach Interlaken gebracht. Woraufhin bereits in den 1920er Jahren erste erfolgreiche <strong>Auswilderungen in den Berner Alpen<\/strong> erfolgten. Au\u00dferdem sind aus der selben Dekade erfolgreiche Ansiedlungen aus \u00d6sterreich und den franz\u00f6sischen Seealpen bekannt.<\/p>\n<p>Heute besiedeln die Alpensteinb\u00f6cke wieder den gesamten Alpenraum und gelten mit einer <strong>Gesamtpopulation von rund 45.000 Tieren<\/strong> als nicht gef\u00e4hrdet. In den deutschen Alpen leben insgesamt f\u00fcnf Steinbockpopulationen mit einem Bestand von nahezu 800 Tieren. Man muss sich jedoch vor Augen halten, dass auch heute noch alle Steinb\u00f6cke im Alpenraum Nachfahren der 100 \u201egeretteten\u201c Tiere vom Gran Paradiso sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Steinbocks ist ein wenig kompliziert und f\u00fchrt uns in entlegene Gebiete unseres Kontinents. Au\u00dferdem ist sie eine Geschichte von einer nur knapp verhinderten Ausrottung, gekauften Wilderern und potenzsteigernden Mitteln. 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