{"id":68309,"date":"2022-11-17T08:40:00","date_gmt":"2022-11-17T07:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/die-erste-hochtour\/"},"modified":"2025-11-11T13:22:33","modified_gmt":"2025-11-11T12:22:33","slug":"die-erste-hochtour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/die-erste-hochtour\/","title":{"rendered":"How to Hochtour: Was du vor dem ersten Mal beachten musst"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Wecker klingelt um einiges fr\u00fcher als zur Arbeitszeit. Es ist klirrend kalt, und das, obwohl wir mitten im Hochsommer sind. Mit den anderen schlaftrunkenen Tourengehern ziehst du quasi mitten in der Nacht dein Gurtzeug an und stolperst mit steifen Gliedern \u00fcber steile Pfade und lockeres Ger\u00f6ll. K\u00e4lte und Dunkelheit umgeben dich, und alles was du siehst, begrenzt sich auf das, was der Lichtkegel deiner Stirnlampe beleuchtet. Jetzt wird man sich wohl fragen: Hat das irgendwas mit Urlaub und Spa\u00df zu tun!? Man glaubt es nicht, aber: Ja, hat es! Denn es handelt sich hier nicht nur um irgendeine Erz\u00e4hlung, sondern um die Umst\u00e4nde, die einem bei der ersten Hochtour begegnen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Stirnlampe.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Stirnlampe.jpg\" alt=\"Der Aufbruch ist so fr\u00fch, dass man noch eine Stirnlampe ben\u00f6tigt.\" style=\"object-fit:cover\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Von der Dunkelheit umgeben, ist die Tour ohne Stirnlampe nicht denkbar.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-fruh-aufstehen-lohnt-sich\">Fr\u00fch aufstehen lohnt sich!<\/h3>\n\n\n\n<p>Da der aufweichende Schnee auf dem Gletscher \u00fcber den Spalten immer weniger tr\u00e4gt, und man deshalb idealerweise schon am fr\u00fchen Nachmittag wieder von der Tour zur\u00fcck sein sollte, ist Ausschlafen bei den Hochtouren zwar leider nicht der Fall, aber das<strong> fr\u00fche Aufstehen<\/strong> lohnt sich. Bereits vor dem Morgengrauen in absoluter Stille voranzuschreiten, unter Mond und Milchstra\u00dfe, die von pechschwarzen Bergzacken eingerahmt werden &#8211; das hat was! Mit der aufsteigenden Sonne dann immer klareres Licht, klarere Luft; den Himmel, die Wolken in allen Farben und Stimmungen zu betrachten &#8211; das ist eine <strong>unbezahlbare Erfahrung<\/strong>. Gut, Letzteres kann man auch in Bodenn\u00e4he haben, aber an hohen Bergen ist das alles intensiver und kombiniert mit einer 3D-Optik, die du im Cinemaxx nicht bekommst. Und als ob das nicht genug w\u00e4re, sind Hochtouren ein <strong>riesen Spa\u00df<\/strong>!<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kommt noch die <strong>Selbsterfahrung<\/strong> (vor allem, wenn es gewisse H\u00fcrden und Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden gilt). Konzentration, Flow, Meditation, totale Entspannung, intensive Emotion: all das ist m\u00f6glich, und zwar in k\u00fcrzester Zeit.&nbsp;Beim Strandurlaub bekommt man das so bestimmt nicht geboten \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Haben wir dein Interesse geweckt? Gut, aber wenn du bislang eher Meeresanbeter oder Flachl\u00e4nder warst und jetzt gleich mal eine Tour auf einen \u201erichtigen Berg\u201c probieren willst, solltest du erst noch einige Zwischenschritte einlegen. Der erste davon w\u00e4re, sich zu erkundigen, was eine Hochtour \u00fcberhaupt ist.<\/p>\n\n\n<section class=\"bf-tipp has-image\"><div class=\"bf-tipp__image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Carlos-Rein_Profilbild-300x300-1.jpg\" alt=\"Carlos Rein \"><\/div><div class=\"bf-tipp__content\"><div class=\"bf-tipp__headline\">Planungstipp vom Experten<\/div><blockquote class=\"bf-tipp__quote\"><p>Mit der Planung legt man den Grundstein f\u00fcr seine Touren &#8211; hier ist das 3&#215;3 der Tourenplanung ein absolut sinnvolles Hilfsmittel.<\/p>\n<\/blockquote><p class=\"bf-tipp__byline\"><a class=\"bf-tipp__byline-link\" href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/about\/carlos-rein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bergfreund Carlos \u2014 Gearhead<\/a><\/p><\/div><\/section>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-ist-eine-hochtour\">Was ist eine Hochtour?<\/h2>\n\n\n\n<p>Das die Tour irgendwo hoch geht steckt im Wort schon drin. Allerdings begeben sich auch Wanderungen oder Spazierg\u00e4nge oftmals in diese Sph\u00e4re. Deshalb kommt es darauf an<strong> wo es hoch geht<\/strong>. Grunds\u00e4tzlich gilt das Aufw\u00e4rtsgehen dann als Hochtour, wenn es auf einen&nbsp;Berggipfel oder anderen Punkt im Hochgebirge f\u00fchrt, der durch blo\u00dfes Wandern allein nicht zu erreichen ist. Es \u201emuss\u201c also etwas Fels oder Eis oder beides zu \u00fcberwinden sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Je nachdem, wie viel davon kommt und wie lang, steil und schwer die Fels- und Eispassagen sind, wird der Schwierigkeitsgrad festgelegt. Daf\u00fcr gibt es eine eigene, in mehreren Sprachen der Alpenl\u00e4nder gef\u00fchrte <strong>Schwierigkeitsskala<\/strong>, die bei L f\u00fcr \u201eleicht\u201c anf\u00e4ngt, \u00fcber WS und ZS (\u201ewenig schwierig\u201c und \u201eziemlich schwierig\u201c) ansteigt und bei AS und ES (\u201e\u00e4u\u00dferst schwierig\u201c und \u201eextrem schwierig\u201c) endet. Dabei bezieht diese Skala mehr Faktoren ein als die <strong>UIAA-Felskletterskala<\/strong>, die Passagen mit ihren Graden von I bis mittlerweile XII- markiert.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Ausblick.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Ausblick.jpg\" alt=\"Bei einer Hochtour macht man Erfahrungen, die es sonst so gut wie nicht gibt. \" style=\"object-fit:cover\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">F\u00fcr manche Erfahrungen und Ausblicke lohnt es sich, fr\u00fch aufzustehen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Neben der Kletterschwierigkeit werden noch die Steilheit der Firn- und Gletscherh\u00e4nge sowie die <strong>\u201eHilfskriterien\u201c<\/strong> Orientierungsschwierigkeit, Felsqualit\u00e4t, Sicherungsm\u00f6glichkeiten und Abgeschiedenheit\/R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten&nbsp;hinzugezogen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-meereshohe-fels-amp-eis\">Meeresh\u00f6he, Fels &amp; Eis<\/h3>\n\n\n\n<p>Die <strong>absolute Meeresh\u00f6he<\/strong> spielt bei der Einordnung als Hochtour keine Rolle, denn je nach Klimazone kann ein Gipfel von 4000 Metern ein gr\u00fcner Wanderh\u00fcgel sein, w\u00e4hrend ein Gipfel von 2000 Metern eine eisgepanzerte Felsburg sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Im weiteren Sinne kann auch eine reine Felstour eine Hochtour sein, doch als <strong>\u201eklassische Hochtour\u201c<\/strong> betrachtet man eher Gletscheranstiege und Gipfeltouren mit viel Schnee und Eis. Da letztere immer weiter zur\u00fcckschmelzen, gibt es in den Alpen immer weniger Gipfel, die das ganze Jahr \u00fcber klassische Hochtourenziele abgeben. Die meisten Alpengipfel unter 3500 m sind im Sp\u00e4tsommer mittlerweile eher von ausgeschmolzenen Felsen, Schotter und Ger\u00f6ll gepr\u00e4gt und weisen nur grau und braun get\u00f6nte Reste ihrer vor 30 Jahren noch \u00fcppigen Gletscher und Eisflanken auf.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-saison-verschiebungen-wegen-klimaerwarmung-amp-gletscherschwund\">Saison-Verschiebungen wegen Klimaerw\u00e4rmung &amp; Gletscherschwund<\/h3>\n\n\n\n<p>Tendenziell wird so die Auswahl an Eistouren und kombinierten Touren (= Fels- und Eistouren) kleiner, und die verbleibenden Touren werden m\u00fchsamer (und aufgrund der Permafrostschmelze auch gef\u00e4hrlicher). Wahrscheinlich werden sich die <strong>sommerlichen Hochtourengeher<\/strong>, \u00e4hnlich wie die Alpinskifahrer&nbsp;im Winter, immer weiter nach oben begeben. Oder die Saison wird fr\u00fcher begonnen, wie es mittlerweile h\u00e4ufig der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Touren mit hohem Anteil an Gletscher, Firn und Eis weisen oft schon ab Mitte Juni gute sommerliche Bedingungen auf. Die <strong>Hochsaison<\/strong> beginnt mittlerweile ab Anfang Juli und endet im August, wenn viele Eistouren und kombinierte Touren durch die starke Schmelze eine wachsende Steinschlaggefahr aufweisen. In den vergangenen zwanzig bis drei\u00dfig Jahren hat sich die Hochtouren-Hauptsaison sch\u00e4tzungsweise um einen Monat nach vorn verschoben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-anforderungen-und-personliche-voraussetzungen\">Anforderungen und pers\u00f6nliche Voraussetzungen<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Je mehr Voraussetzungen<\/strong> man erf\u00fcllt, desto h\u00f6here Anforderungen darf man in Angriff nehmen. Warum sollte man sich jedoch eigentlich \u00fcberhaupt fordern? Gute Frage, vielleicht, weil mit wachsender Schwierigkeit meist die landschaftlichen Eindr\u00fccke spektakul\u00e4rer werden, und gleichzeitig das innere Erleben intensiver wird. Au\u00dferdem sind die H\u00fctten, Biwaks und Touren nicht \u00fcberlaufen, wodurch es weniger, aber daf\u00fcr interessantere Begegnungen gibt. Doch bleiben wir zun\u00e4chst bei den <strong>Mindestvoraussetzungen<\/strong>, um \u00fcberhaupt in irgendeine Hochtour einsteigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg hinauf f\u00fchrt wie gesagt oft \u00fcber Fels und Eis, kann sich ziemlich in die L\u00e4nge ziehen und ist auch nicht immer wirklich sichtbar. Deshalb erfordert eine Hochtour deutlich <strong>mehr Anforderungen als das Wandern<\/strong>. Im vergletscherten Gel\u00e4nde erfordern auch einfache H\u00e4nge <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hochtour\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u201e<em>den <\/em><em>(kompetenten) <\/em><em>Gebrauch<\/em><em> von Seil, Steigeisen und Eispickel<\/em><em> sowie Kenntnisse in Sicherungs- und Bergungstechniken.\u201c<\/em><\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-kondition-anpassung-wissen\">Kondition, Anpassung, Wissen<\/h3>\n\n\n\n<p>Hinzu kommen eine solide <strong>Grundkondition<\/strong>, eine je nach Gipfelh\u00f6he mehr oder weniger ausgiebige <strong>H\u00f6henanpassung<\/strong> sowie ein jederzeit abrufbares theoretisches <strong>Wissen<\/strong> (dazu mehr im n\u00e4chsten Abschnitt). Auch auf die Qualit\u00e4t der <strong>Ausr\u00fcstung<\/strong> und der <strong>Verpflegung<\/strong> sollte beachtet werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Eispickel.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Eispickel.jpg\" alt=\"Mit dem Eispickel muss sicher hantiert werden k\u00f6nnen.\" style=\"object-fit:cover\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Man sollte wissen, wie man mit einem <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/eispickel\/\">Eispickel<\/a> umzugehen hat.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Kletterfertigkeiten<\/strong> sind auch bei nominell sehr einfachen Felspassagen gefragt. Diese werden n\u00e4mlich wie beim Hallen- und Sportklettern bewertet &#8211; also ohne die <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/bergschuhe\/\">Bergstiefel<\/a>, den Rucksack, die kalten Finger, die vielen H\u00f6henmeter in den Beinen und manchmal die viele Luft unter den F\u00fc\u00dfen zu ber\u00fccksichtigen. Hinzu kommen teils schnell wechselndes Wetter und ebenso schnell wechselnde Verh\u00e4ltnisse. Je nach Schnee- und Eisauflage sind dann auch in gem\u00e4\u00dfigten Touren schnell mal Grundfertigkeiten in <strong>Eis- und Mixed-Klettern<\/strong> mit dem Pickel und\/oder Eisger\u00e4t gefragt. Aus diesen Gr\u00fcnden kann man jederzeit an Touren scheitern, die man laut der Zahlen auf dem Papier eigentlich \u201elocker drauf haben m\u00fcsste\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-trittsicherheit-pickelbremse-und-schwindelfreiheit\">Trittsicherheit, Pickelbremse und Schwindelfreiheit<\/h3>\n\n\n\n<p>Zu den Fertigkeiten geh\u00f6rt nicht nur, wie man hoch kommt, sondern auch, wie man im Fall der F\u00e4lle den <strong>Sturz bremst<\/strong>. Zumindest auf Eis und Schnee kann man hier Schadensbegrenzung betreiben, indem man m\u00f6glichst schnell die richtige K\u00f6rperhaltung einnimmt und den Pickel richtig einsetzt. Die <strong>Pickelbremse<\/strong> hilft n\u00e4mlich nicht gegen Akne, aber m\u00f6glicherweise gegen einen t\u00f6dlichen Absturz.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine durch Bergwanderungen <strong>geschulte Trittsicherheit<\/strong> sollte ebenfalls vorhanden sein, und man sollte nicht schon beim Besteigen einer Leiter Schwindelgef\u00fchle bekommen (Schwindelfreiheit l\u00e4sst sich aber trainieren).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-sollte-man-wissen\">Was sollte man wissen?<\/h2>\n\n\n\n<p>Will man eigenst\u00e4ndig und verantwortungsbewusst Hochtouren durchf\u00fchren, gibt es eine ganze Menge an theoretischem Lernstoff. Doch dessen Aneignung ist weder langweilig noch sonderliche schwierig. F\u00fcr den Anfang braucht es <strong>Basiswissen<\/strong> \u00fcber Berge und Gletscher, \u00fcber Grundlagen der Seiltechnik, der Spaltenbergung und den Umgang mit Ausr\u00fcstung wie <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/steigeisen\/\">Steigeisen<\/a> und Pickel. <strong>Hinzu kommen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Knotenkunde<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>Kenntnisse \u00fcber <strong>alpine Gefahren<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Orientierung<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wetterkunde<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Es reicht nicht, sich ein paar passend aussehende Apps herunterzuladen und darin einzulesen; der echte Umgang mit echten Dingen wie Papierkarte, mechanischem Kompass und Wetter der Umgebung ist hier gefragt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das umfangreiche theoretische Know-how kann man sich nat\u00fcrlich nicht immer komplett merken. Das ist aber kein Problem, sofern man ein gutes <strong>Lehrbuch<\/strong> zum Nachschlagen und Dazulernen zur Hand hat. Hier gibt es eine gro\u00dfe Auswahl. Mein pers\u00f6nlicher Favorit ist zurzeit das Lehrbuch <a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/sac-verlag-bergsport-sommer-technik-taktik-sicherheit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bergsport Sommer \u2013 Technik, Taktik, Sicherheit<\/a> des Schweizer Alpen-Clubs. Die Schweizer Pr\u00e4zision gilt hier auch in Sachen Details und Anschaulichkeit, weshalb auch kompliziertere Man\u00f6ver (wie der Flaschenzug) klar nachvollziehbar und erlernbar sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-echtes-interesse-und-etwas-zeit-kurse\">Echtes Interesse und etwas Zeit? Kurse!<\/h2>\n\n\n\n<p>Da die bisher genannten Anforderungen und Voraussetzungen nicht mal eben im Handumdrehen zu erf\u00fcllen sind, ist ein <strong>mehrt\u00e4giger Hochtourengrundkurs<\/strong> die ideale Herangehensweise f\u00fcr die \u201erichtigen Berge\u201c. So ein Kurs sollte mindestens f\u00fcnf Tage dauern, denn ein langes Wochenende reicht nicht, um alle wichtigen Inhalte wirklich aufzunehmen. Wirklich effektiv ist das Ganze, wenn es direkt im Anschluss auf einer ersten leichten(!) Tour praktisch angewandt und durch baldige und regelm\u00e4\u00dfige Wiederholung und Auffrischung vertieft wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurse kann man bei einer der vielen <strong>privaten Bergschulen<\/strong> oder beim <strong>Alpenverein<\/strong> belegen. Letztere sind wesentlich preiswerter, da sie ehrenamtlich durchgef\u00fchrt werden, lassen sich aber meist nicht spontan buchen. Au\u00dferdem sind sie verbunden mit einer Vereinsmitgliedschaft, die aber ebenfalls nicht teuer ist und bei l\u00e4ngerfristigem Interesse an den Bergen zahlreiche Vorteile mit sich bringt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Faehigkeiten.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Faehigkeiten.jpg\" alt=\"Hat man Zeit, sollte man einem Hochtourengrundkurs einen Besuch abstatten.\" style=\"object-fit:cover\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Am Besten ist es, zuvor einen mehrt\u00e4gigen Hochtourengrundkurs besucht zu haben.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Man muss sich auch keineswegs gleich alle <strong>Ausr\u00fcstung<\/strong> zusammenkaufen. Die fehlenden Teile kann man sich in aller Regel sowohl bei privaten Anbietern als auch beim DAV gegen geringe Geb\u00fchren ausleihen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-null-erfahrung-und-wenig-zeit-bergfuhrer-oder-finger-weg\">Null Erfahrung und wenig Zeit? Bergf\u00fchrer oder Finger weg!<\/h2>\n\n\n\n<p>Halbwissen ist bei Hochtouren mindestens so<strong> gef\u00e4hrlich<\/strong> wie nix wissen. Kommen dann noch Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und falscher Ehrgeiz hinzu, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Dennoch gehen viele Aspiranten mit genau diesen ung\u00fcnstigen Voraussetzungen auf eine Hochtour. Sie sind dann mit der falschen Ausr\u00fcstung, den falschen Seilabst\u00e4nden oder im falschen Tempo unterwegs. Manche greifen auch bei der Tourenauswahl viel zu hoch und suchen sich f\u00fcr ihre \u201ePremiere\u201c Berge wie den Montblanc aus, der als \u201etechnisch einfach\u201c gilt und dennoch Prestige verspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur \u201eAhnungslose\u201c verhalten sich so, sondern manchmal auch \u201eQuereinsteiger\u201c aus dem Alpinwandern oder dem Sportklettern. Sie sch\u00e4tzen die Unterschiede zwischen \u201eihrer Disziplin\u201c und dem Hochtourengehen falsch ein. So ist beispielsweise der Umgang mit dem Seil auf Hochtouren trotz gleicher Prinzipien und Techniken ein v\u00f6llig anderer als beim Sportklettern. Einen guten Einblick zum <strong>Hochtouren-Seilhandling<\/strong> gibt es <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/richtiges-anseilen-bei-hochtouren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier bei den Bergfreunden<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz und b\u00fcndig: wer keine Erfahrung und wenig Zeit hat, sollte auch f\u00fcr \u201eleichte Einsteiger-Hochtouren\u201c nicht ohne sehr erfahrene Begleiter bzw. einen Bergf\u00fchrer aufbrechen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-ist-training-notig\">Ist Training n\u00f6tig?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ob und wie viel man trainieren sollte, h\u00e4ngt davon ab, welchen k\u00f6rperlichen Zustand man \u201emitbringt\u201c und welche Touren man plant. Wer im Sitzen arbeitet und Sport nur aus dem Fernsehen kennt, wird auch f\u00fcr die k\u00fcrzesten und leichtesten Hochtouren nicht fit genug sein.<\/p>\n\n\n\n<p>An hohen Bergen ist der K\u00f6rper ungewohnten Belastungen ausgesetzt, die nicht nur aus der Anstrengung, sondern auch aus der H\u00f6he, den Temperaturen, der trockenen Luft und anderen Umweltfaktoren resultieren. Da ist eine mindestens<strong> solide Grundfitness<\/strong> unabdingbar. Doch wie definiert man diese? Nun, Sportwissenschaftler k\u00f6nnen hier sicher pr\u00e4zise antworten, ich versuche es mal mit einer groben pers\u00f6nlichen Einsch\u00e4tzung, bzw. einem <strong>Beispiel<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Du bist ausreichend fit f\u00fcr eine Einsteiger-Hochtour, wenn du mit einem 10 Kilo Rucksack auf dem R\u00fccken auf einer Mittelgebirgswanderung mit etwa 500 Bergauf-H\u00f6henmetern ein flottes Gehtempo von 5 km\/h \u00fcber etwa 10 Kilometer halten kannst, <em>ohne<\/em> anschlie\u00dfend v\u00f6llig ausgepumpt zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-grundfitness\">Grundfitness<\/h3>\n\n\n\n<p>Das <strong>Erreichen solch einer Grundfitness<\/strong> ist weder schwierig noch zeitaufw\u00e4ndig. Schon wenige Stunden Lauftraining pro Woche k\u00f6nnen binnen weniger Monate deutliche Konditionsfortschritte bringen. Brauchbare Trainingspl\u00e4ne und Kurzanleitungen wie <a href=\"https:\/\/www.alpin.de\/sicher-am-berg\/hochtouren\/7705\/artikel_ausdauer-training__richtig_auf_touren_kommen.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">hier auf Alpin.de<\/a> findet man im Netz zuhauf. Ein konkretes Trainingsplan-Beispiel, welches Einsteiger in 6 Monaten und 6 Schritten auf den Gro\u00dfglockner f\u00fchren kann, findet man bei <a href=\"https:\/\/www.bergwelten.com\/a\/in-6-monaten-fit-fur-den-grossglockner\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Bergwelten.de<\/a>. Hier wird neben der Ausdauer auch auf die Kraft und auf weitere Komponenten eingegangen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-mit-kopfchen-das-mindset\">Mit K\u00f6pfchen: das Mindset<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Mentale-Einstellung.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Hochtour-Mentale-Einstellung.jpg\" alt=\"Positive Gedanken und ein guter Wille sind ebenfalls wichtig.\" style=\"object-fit:cover\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auch das Mindset muss stimmen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Je l\u00e4nger und schwieriger die Hochtour, desto wichtiger werden neben der k\u00f6rperlichen Verfassung auch der <strong>Zustand und die Ausrichtung der Psyche<\/strong>. Eine passende Einstellung mit positiven <strong>Gedanken<\/strong> ist, je nach Anspruch der Tour, hilfreich bis wichtig. Im besten Fall kann man damit viel k\u00f6rperliche Kraft mobilisieren. Umgekehrt kann eine \u201elasche innere Haltung\u201c ganz schnell auch zum k\u00f6rperlichen Durchh\u00e4nger f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-positive-grundhaltung\">Positive Grundhaltung<\/h3>\n\n\n\n<p>Zur <strong>positiven Grundhaltung<\/strong> geh\u00f6rt ein stabiler <strong>Wille<\/strong>, ein wirkliches \u201eda hoch wollen\u201c, auch wenn es zwischenzeitlich mal mit eher widerwilligen Gef\u00fchlen zu tun bekommt. Und dennoch sollte man das Ganze nicht zu ernst nehmen. Klingt widerspr\u00fcchlich, kann aber klappen, wenn die Freude an der Tour und der T\u00e4tigkeit im Vordergrund steht. Dann benutzt man sie nicht als Mittel zum Zweck, um sich oder irgendwem irgendetwas zu beweisen und kann somit unverkrampft an die Sache herangehen. Etwas Klarheit \u00fcber die eigenen Motive kann sowieso nie schaden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-mentale-vorbereitung\">Mentale Vorbereitung<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn es in den pers\u00f6nlichen Grenzbereich geht, wird auch die <strong>mentale Vorbereitung<\/strong> auf die Tour zur wichtigen S\u00e4ule. Manche Spitzenbergsteiger gehen ihre geplanten Touren vorher sehr detailliert und mit allen m\u00f6glichen Situationen mental durch, um sich in vollst\u00e4ndige Bereitschaft f\u00fcr den wirklichen Auf- und Abstieg zu versetzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-welche-ausrustung-benotigt-man-fur-eine-hochtour\">Welche Ausr\u00fcstung ben\u00f6tigt man f\u00fcr eine Hochtour?<\/h2>\n\n\n\n<p>Es d\u00fcrfte klar sein, dass ohne die richtige Kleidung als Grundlage am Berg nichts geht. Grunds\u00e4tzlich kann man f\u00fcr Hochtouren die gleichen atmungsaktiven Funktionsklamotten im gleichen <strong>Zwiebelschalenprinzip<\/strong> verwenden, wie sie auch beim Bergwandern zum Einsatz kommen. Nur sollte das Ganze in gr\u00f6\u00dferer H\u00f6he <strong>noch etwas mehr<\/strong> Wind, tiefere Temperaturen und heftigere Niederschl\u00e4ge aushalten. Die mittlere Isolationsschicht sollte also etwas dicker und die \u00e4u\u00dfere Hardshell etwas robuster sein. Auch Handschuhe und M\u00fctze sollten <strong>w\u00e4rmer sein<\/strong>. Die Kunst ist nun, dass die Kleidungsst\u00fccke auch dann die <strong>Bewegungsfreiheit<\/strong> nicht einschr\u00e4nken, wenn alle zugleich getragen werden. Deshalb sollte auf gute Abstimmung und guten Sitz geachtet, sowie Stretchmaterial bevorzugt wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-steigeisenfestes-schuhwerk\">Steigeisenfestes Schuhwerk<\/h3>\n\n\n\n<p>An den F\u00fc\u00dfen sollten es mindestens \u201ebedingt steigeisenfeste <strong>Bergstiefel<\/strong>\u201c sein, denn alles was weniger steif ist, wird zu Problemen mit schlecht sitzenden Steigeisen f\u00fchren. Sich lockernde oder gar l\u00f6sende Steigeisen auf steilen Schneefeldern oder Blankeis haben schon so manchen Mitrei\u00dfunfall und Seilschaftsabsturz ausgel\u00f6st. Alles Wissenswerte \u00fcber Hochtourenkleidung findet ihr in<a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/das-1x1-der-bergklamotten-hochtourenbekleidung-eine-uebersicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> diesem Artikel hier auf Bergfreunde.de<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommen zahlreiche <strong>weitere Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde<\/strong> wie Steigeisen, Pickel, <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/karabiner-express-sets\/\">Karabiner<\/a>, Bandschlinge und Prusikschn\u00fcre und gegebenenfalls Eisschrauben. Mehr Infos dazu gibt es in <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/packliste-fuer-hochtouren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der Packliste f\u00fcr Hochtouren.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Soweit einmal die erste Einf\u00fchrung in die Welt der Hochtouren \u2013 die werden wir jedoch demn\u00e4chst um ein paar sehr sch\u00f6ne Einsteigertouren mit Tipps und Infos zur Durchf\u00fchrung erweitern. Also seid gespannt!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\">Ausr\u00fcstung f\u00fcr deine Hochtour &gt;&gt;<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wecker klingelt um einiges fr\u00fcher als zur Arbeitszeit. Es ist klirrend kalt, und das, obwohl wir mitten im Hochsommer sind. Mit den anderen schlaftrunkenen Tourengehern ziehst du quasi mitten in der Nacht dein Gurtzeug an und stolperst mit steifen Gliedern \u00fcber steile Pfade und lockeres Ger\u00f6ll. 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