{"id":70709,"date":"2015-10-02T08:48:40","date_gmt":"2015-10-02T06:48:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/suffering-in-ecstasy\/"},"modified":"2015-10-02T08:48:40","modified_gmt":"2015-10-02T06:48:40","slug":"suffering-in-ecstasy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/suffering-in-ecstasy\/","title":{"rendered":"Suffering in Ecstasy"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/2011.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/2011-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53101\" width=\"844\" height=\"633\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/2011-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/2011-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/2011-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/2011.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 844px) 100vw, 844px\" \/><\/a><figcaption>Georg und die steile Nordwand des Ritacuba Blanco<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Eine weitere Lehrstunde in Sachen Klettern in widrigen Wetterbedingungen: Bergfreunde Klara und Georg berichten \u00fcber ihren Versuch&nbsp;den&nbsp;<strong>Ritacuba Blanco (5350m)<\/strong> in der <strong>Cordillera del Cocuy, <\/strong>in Kolumbien, zu \u00fcberschreiten. Die zwei erfahrenen Bergsportler&nbsp;kletterten die Linie&nbsp;<strong>\u201eTierra de Condores&#187; (7a+, 800m)<\/strong>, als ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie&nbsp;Klara und Georg&nbsp;auch ohne Geld, Pass und Ausr\u00fcstung von den Kolumbianern beherbergt wurden und was&nbsp;sie&nbsp;sonst noch alles&nbsp;auf Ihrer Tour erlebt haben, berichten sie Euch selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe so einen Hunger\u201c\u2026 &#8211; \u201eMach die Augen zu, dann meint der Magen, es ist Nacht.\u201c Es ist zwei Uhr nachmittags, es schneit. Wir sitzen in einer kleinen, feuchten Felsh\u00f6hle auf 5000 Metern H\u00f6he mitten in unserer 800 Meter hohen Wand, irgendwo im Nirgendwo in Kolumbien. \u201eUrlaub\u201c genau nach unserem Geschmack&#8230; Anstelle zweier Biwaks haben wir nun schon den vierten Biwakplatz in der Wand eingerichtet, f\u00fcr 9 Seill\u00e4ngen der insgesamt etwa 22 haben wir aufgrund des unbest\u00e4ndigen Wetters eine Woche gebraucht. Die Vorr\u00e4te schwinden, wir haben noch sechs Riegel, vier Suppen und 3 Liter Wasser f\u00fcr weitere 450 vertikale Kletter-Meter. Von wegen stabiles Wetter im Februar! Wenn die Wolkendecke morgen nicht aufmacht, m\u00fcssen wir all die hart erk\u00e4mpften H\u00f6henmeter, all die Seill\u00e4ngen, wieder aufgeben. Es ist frustrierend, die Lage scheint aussichtslos.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-der-hochste-und-der-schonste\">Der H\u00f6chste und der Sch\u00f6nste<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/31a11.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/31a11-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53105\" width=\"873\" height=\"655\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/31a11-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/31a11-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/31a11-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/31a11.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 873px) 100vw, 873px\" \/><\/a><figcaption>&#171;Die Linie \u201eTierra de Condores\u201c (7a+, 800m) wird an mobilen Sicherungen geklettert&#187;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Manche Begegnungen sind kein Zufall, so auch die Bekanntschaft mit unserem kolumbianischen Freund Hernan, der uns ein Wandfoto aus seinem Lieblingsgebiet zeigte. Ein Berg mit zwei Gesichtern: von S\u00fcden ist der <strong>5350m hohe Ritacuba Blanco<\/strong>, <strong>h\u00f6chster Berg <\/strong>der<strong> kolumbianischen Cordillera<\/strong>, eine fast sanft anmutende, wei\u00dfe Kuppe &#8211; von Norden eine senkrechte Felspyramide, wie eine Festung. Kaum bekannt, wenige Begehungen, v\u00f6llige Abgeschiedenheit in einem unber\u00fchrten Naturpark. Im Juli erz\u00e4hlt uns Hernan von der Wand, im Februar sind wir schon unterwegs in den <strong>Parque Nacional Natural El Cocuy<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Linie \u201e<strong>Tierra de Condores<\/strong>\u201c (<strong>7a+<\/strong>,<strong> 800m<\/strong>) wird an <strong>mobilen Sicherungen<\/strong> geklettert, hat aber <strong>gebohrte St\u00e4nde<\/strong>. Als Kr\u00f6nung wartet auf den letzten 350 Metern kombiniertes Gel\u00e4nde am vergletscherten Gipfelaufbau. Das ganze Repertoire an Disziplinen ist gefragt, der Haufen ben\u00f6tigter Ausr\u00fcstung riesig. Welcher Abenteuer-Kletterer k\u00f6nnte dieser Herausforderung widerstehen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-kurz-mal-den-hugel-hinauf\">Kurz mal den H\u00fcgel hinauf<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Drei P\u00e4sse<\/strong> m\u00fcssen wir <strong>\u00fcberschreiten,<\/strong> um zur Nordwand des Ritacuba Blanco zu gelangen. Alles in allem <strong>ein paar hundert H\u00f6henmeter<\/strong> auf einer Strecke von <strong>rund 20 Kilometern<\/strong>. Die <strong>Schwierigkeit<\/strong> ist f\u00fcr uns die <strong>H\u00f6he<\/strong>, denn wir bewegen uns die ganze Zeit <strong>oberhalb der 4000er Grenze<\/strong>. Sechs schwere Haulbags und Rucks\u00e4cke liegen am Ende der staubigen Stra\u00dfe, insgesamt an die 120kg. Das Gep\u00e4ck wird von den hier lebenden Cowboys mit Pferden zum Basislager gebracht, das ist hier Usus, denn es ist ihre einzige Einnahmequelle. Auch aus akklimatisationstechnischen Gr\u00fcnden ist es vorteilhaft, nur mit leichtem Gep\u00e4ck zu gehen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1211.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1211-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53109\" width=\"854\" height=\"641\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1211-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1211-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1211-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1211.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 854px) 100vw, 854px\" \/><\/a><figcaption>&#171;Vorbei an mannshohen Freilejon-B\u00e4umen&#187;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ein langer, grasiger Hang zieht zum ersten Pass hinauf &#8211; kurz Mal den H\u00fcgel rauf, daheim eine Angelegenheit von 30 Minuten. Auf dieser H\u00f6he zieht sich der Anstieg wie ein z\u00e4her Kaugummi. Von der Scharte f\u00e4llt der Blick weit in die gr\u00fcne Landschaft des Nationalparks. Tief unter uns glitzert dunkelblau ein wundersch\u00f6ner See, an dem wir die Nacht verbringen. Wer richtig akklimatisieren will, muss sich viel Zeit lassen &#8211; Zeit zum Leiden. Vorbei an mannshohen \u201eFreilejon\u201c-B\u00e4umen (Espeletia), die mit gelben Bl\u00fcten \u00fcbers\u00e4t sind. Von Weitem stehen sie da wie eine Truppe von Guerillas. Pl\u00f6tzlich kommt mir eine Geschichte meines Kumpels in den Sinn, von seinem Kletter-Abenteuer im Cocuy. \u201eEinen Tagesmarsch von der Zivilisation entfernt und pl\u00f6tzlich stehen an die 15 Guerilla-K\u00e4mpfer mit Kalaschnikow \u00fcber der Schulter vor uns\u2026und zu unserem Erstaunen haben sie uns f\u00fcr unseren Mut bewundert, hier zu klettern!\u201c So eine Begegnung droht uns nicht, die K\u00e4mpfer haben sich mittlerweile in den Norden des Landes zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Puls donnert in den Schl\u00e4fen, die Atmung geht schnell. Zum Gl\u00fcck ist der <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/trainingspuls-maximalpuls-rechner\/\">Ruhepuls<\/a> nach einer gef\u00fchlt schlaflosen Nacht wieder normal, denn schon stehen die n\u00e4chsten H\u00f6henmeter an: hinter dem zweiten Pass wartet ein sehr langer, seichter <strong>Anstieg<\/strong> bis auf <strong>4800 Meter<\/strong>. Die Landschaft wird zunehmend felsiger, links und rechts erheben sich steile W\u00e4nde, am Horizont leuchten die ersten Gletschergipfel. Aus dem felsigen grau in grau strahlen vereinzelt gelbe Blumen, ein Traum f\u00fcr jeden Naturliebhaber. Wir hingegen fiebern unserer Wand entgegen! Erst am Nachmittag gibt der dritte Pass den Blick frei: die m\u00e4chtige Nordwand des Ritacuba Blanco mit ihrem vergletscherten Gipfel strahlt uns entgegen, ein atemberaubend sch\u00f6ner Berg. Allein f\u00fcr diesen Anblick h\u00e4tte sich der Weg gelohnt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-wie-zum-klettern-gemacht\">Wie zum Klettern gemacht<\/h2>\n\n\n\n<p>Unser Basislager liegt idyllisch an einem kleinen See, der smaragdgr\u00fcn leuchtet. Nur wenige hundert H\u00f6henmeter trennen uns vom Fu\u00df unserer Wand, doch mit schweren Rucks\u00e4cken ist der Weg eine Bergtour f\u00fcr sich. Vier Mal m\u00fcssen wir uns durch das steile, sandige Gel\u00e4nde empor arbeiten, bis alles Material und vor allem genug Wasser unter der Wand deponiert sind. Der gro\u00dfe Vorteil: wir sind nun bestens akklimatisiert. Am f\u00fcnften Tag kann es endlich losgehen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/25a11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/25a11-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53113\" width=\"865\" height=\"578\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/25a11-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/25a11-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/25a11-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/25a11.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 865px) 100vw, 865px\" \/><\/a><figcaption>&#171;Unser Basislager liegt idyllisch an einem kleinen See, der smaragdgr\u00fcn leuchtet&#187;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Senkrecht erhebt sich der rot-braune Fels vor unserer Nase, ein Riss-System f\u00fchrt auf das erste Band. Die Reibung ist gigantisch, die <strong>Leisten<\/strong> und <strong>Risse<\/strong> wie zum <strong>Klettern gemacht<\/strong>. An den wichtigen Stellen lassen sich bomben-sichere Friends versenken, in rundlichen Ritzen sitzen unsere Totemcams wie Klebehaken. Seill\u00e4nge um Seill\u00e4nge arbeiten wir uns in den n\u00e4chsten Tagen weiter hinauf und hinterlassen wie die Spinnen unsere Seile zum Jumaren, denn t\u00e4glich um die gleiche Zeit schlie\u00dft sich die Wolkendecke und es regnet. Solange wir genug Seile haben, st\u00f6rt uns das wenig. Wir machen es uns vorerst auf dem \u00fcberdachten Felsvorsprung in der zweiten Seill\u00e4nge gem\u00fctlich. Unsere <strong>Strategie<\/strong> ist einfach: wenn <strong>alle Seile in der Wand<\/strong> sind, <strong>ziehen<\/strong> wir<strong> in ein h\u00f6heres Biwak<\/strong> um und <strong>geben Gas<\/strong>. In einem schnellen Angriff versuchen wir dann, den Gipfel zu erreichen. Wenn wir nur das Wetter etwas besser einsch\u00e4tzen k\u00f6nnten\u2026<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-hans-bleib-do-du-woast-ja-ned-wias-weda-wiad\">Hans bleib do, du woast ja ned wias weda wiad<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Tour ist ein echter Klettertraum, die Bewegungen unglaublich sch\u00f6n. Jede Seill\u00e4nge bietet etwas anderes &#8211; Risse, Leisten, D\u00e4cher. \u00dcberhaupt ist die ganze Wand ein Mysterium f\u00fcr sich &#8211; wie eine Treppe von unten, voller D\u00e4cher. Eigentlich m\u00fcsste sie vorn\u00fcber umkippen! Immer wieder l\u00f6sen sich die un\u00fcberwindbar scheinenden Passagen mit verr\u00fcckten Kletterbewegungen wie von selbst, die Linienf\u00fchrung ist gigantisch. Dennoch sind die Tage lang, weil wir<strong> nur vormittags klettern<\/strong> k\u00f6nnen. Das Wetter will einfach nicht mitmachen. Wir trinken Tee, versuchen aber so wenig wie m\u00f6glich unserer Vorr\u00e4te zu verbrauchen. Stundenlang starren wir dann in die Ferne, beobachten, lauschen. Details, f\u00fcr die wir sonst keine Zeit h\u00e4tten. Die Seenlandschaft tief unter uns sieht von oben betrachtet aus wie ein modernes Gem\u00e4lde. Eine unglaubliche Formen- und Farbenvielfalt: auf dem t\u00fcrkis-blauen Wasser schwimmen wie gr\u00fcne Inseln \u201eCojines\u201c-Polster, eine endemische Pflanze, nach der dieses Tal benannt ist. Andere Seen sind blau, gr\u00fcn, gelb und braun, die Farben verschwimmen ineinander. Hoch \u00fcber uns ziehen zwei riesige Kondore ihre Kreise. Doch nicht etwa wegen uns? Irgendwie sch\u00f6n, dieses \u201esich Zeit lassen\u201c beim Bigwall-Stil, auch wenn wir uns nicht ganz freiwillig daf\u00fcr entschieden haben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3411.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3411-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53117\" width=\"851\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3411-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3411-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3411-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3411.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 851px) 100vw, 851px\" \/><\/a><figcaption>&#171;Als Leichtere von uns beiden bleibt es an mir, die letzten 50 Meter hinauf zu jumaren&#187;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es wird Zeit. Inzwischen h\u00e4ngen schon die Halbseile als Einzelstr\u00e4nge in der Wand, viel l\u00e4nger k\u00f6nnen und wollen wir mit dem Aufbruch in die Wand nicht warten. Wir m\u00fcssen uns vom Boden und der Sicherheit trennen. Als Leichtere von uns beiden bleibt es an mir, die<strong> letzten 50 Meter<\/strong> am <a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/tendon-master-78-mm-shield-halbseil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tendon Master 7,8mm<\/a> <strong>hinauf zu jumaren<\/strong>. Wie an einem d\u00fcnnen Gummiband wippe ich mich empor, das Herz donnert gegen meine Schl\u00e4fen: vor Anstrengung, aber vor allem wegen dem Adrenalin. Vor meinem geistigen Auge reibt der Strang \u00fcber die Kante wie auf einem S\u00e4geblatt. Die einzige Hoffnung ist mein <strong>unendliches Vertrauen in die Seilunterlage<\/strong> und das gute, <strong>neue Seil<\/strong>. Zu allem \u00dcberfluss hat heute das Wetter schon um 10 Uhr zugemacht, sodass wir gegen einen unangenehmen Wind arbeiten. Als ich Georg zu unserem Biwak in der <strong>9ten Seill\u00e4nge<\/strong> nachsichere, ist er ganz steif vor K\u00e4lte. Hier sitzen wir also in unserer feuchten H\u00f6hle, um zwei Uhr nachmittags und starren in das Schneegest\u00f6ber. Aus der Traum?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-die-hoffnung-stirbt-zuletzt\">Die Hoffnung stirbt zuletzt<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein purpur-roter Himmel k\u00fcndigt den Morgen an. Vor zwei Tagen haben wir den Kontakt zum Boden gekappt und zwei weitere Seill\u00e4ngen erobert. Es fehlen nur noch<strong> 3 Seill\u00e4ngen<\/strong> und die <strong>350 Meter<\/strong> kombiniertes Gel\u00e4nde bis zum Gipfel. Morgenrot: Gutwetter-Bot oder Schlechtwetter-Bot? Egal, wir m\u00fcssen es heute versuchen. Wir verlassen unseren Adlerhorst und klettern nur mit dem N\u00f6tigsten. Unter einem strahlend blauen Himmel schrauben wir uns immer h\u00f6her, endlich ein perfekter Tag. L\u00e4ngst haben wir die Kondore unter uns gelassen und sind im leichten, aber br\u00fcchigen Gel\u00e4nde oberhalb der <strong>14ten Seill\u00e4nge<\/strong> unterwegs. Ab hier ist die <strong>Wegfindung schwieriger<\/strong>, die <strong>St\u00e4nde zugeschneit<\/strong> oder <strong>eingeeist<\/strong> und deshalb <strong>unauffindbar<\/strong>. Die erste Steilstufe im Eis ist dank <strong><a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/steigeisen\/\">Steigeisen<\/a><\/strong> und <strong>Pickel<\/strong> kein Hindernis, wir klettern und queren nun im Wechsel die lange Schneekante hinauf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/4011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/4011-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53121\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/4011-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/4011-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/4011-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/4011.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>&#171;Im Schneetreiben erreichen wir den Gipfel&#187;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es ist fr\u00fcher Nachmittag, als die Wetterfalle zuschnappt. L\u00e4ngst haben sich wieder dicke Wolken aufget\u00fcrmt, die sich nun zu senken beginnen. F\u00fcr uns gibt es nur noch die Flucht nach oben und den s\u00fcdseitigen Abstieg \u00fcber den Gletscher, denn ohne Abseilst\u00e4nde schaffen wir es vor dem Sturm nicht nordseitig bis zum Biwak. Eine <strong>ungeplante \u00dcberquerung<\/strong> also. Wir hetzen am langen Seil simultan nach oben. Teils schimmert das Gr\u00fcn aus dem Tal durch die d\u00fcnne Schneeschicht, auf der anderen Seite lauern die Spalten. Immer sch\u00f6n in der Mitte bleiben auf unserer Wechte. \u201eSturz ins Leere\u201c- nein danke! Im Schneetreiben <strong>erreichen<\/strong> wir den <strong>Gipfel<\/strong>, der ohne Aussicht eine wei\u00dfe Kuppe im wei\u00dfen Schneegest\u00f6ber ist. Und dennoch, wir haben es geschafft &#8211; doch die Anspannung bleibt. Den <strong>Abstieg \u00fcber den Gletscher<\/strong> kennen wir nur aus Beschreibungen, die Spuren der vielen Gipfelaspiranten von S\u00fcden verschwinden rasend schnell im Neuschnee.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-zuruck-auf-los\">Zur\u00fcck auf Los<\/h2>\n\n\n\n<p>Jetzt ist meine Begabung als F\u00e4hrtenleser gefragt. Kontrolliert sichern wir uns gegenseitig die Steilstufe bis zur ber\u00fcchtigten <strong>Gletscherspalte<\/strong> hinunter. Eine <strong>schmale Schneebr\u00fccke<\/strong> f\u00fchrt \u00fcber die Spalte, die locker ein Haus verschlingen w\u00fcrde. Doch f\u00fcr gruseln ist jetzt keine Zeit. Wieder hei\u00dft es vertrauen, diesmal in die Pickelsicherung des jeweils Anderen. 30 Sekunden Herzstillstand sp\u00e4ter haben wir die Schl\u00fcsselstelle des Abstiegs hinter uns gebracht. Immer wieder verlieren wir die Steigspuren und finden sie wieder, \u00fcber steile Schneeh\u00e4nge gelangen wir bald ins <strong>flache Felsgel\u00e4nde<\/strong>. Erst hier f\u00e4llt uns auf, wie die Anspannung der letzten Stunden an den Kr\u00e4ften gezehrt hat. Noch schlimmer ist aber, dass wir auf der anderen Seite des Berges stehen, am Ausgangspunkt unserer Expedition: mit <strong>zwei Halbseilen<\/strong> und <strong>durchn\u00e4ssten Klamotten<\/strong>. <strong>Kein Pass<\/strong>, <strong>kein Geld<\/strong>, die <strong>komplette Ausr\u00fcstung<\/strong> ist in der <strong>Wand verteilt<\/strong>. Und jetzt?<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3111-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53125\" width=\"854\" height=\"641\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3111-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3111-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3111-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.berg-freunde.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/3111.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 854px) 100vw, 854px\" \/><\/a><figcaption>&#171;\u00dcbernachten unter einem Felsvorsprung im mit Heu ausgelegten Lager der Hirten&#187;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Kein Problem, wir sind in Kolumbien. Die Wirtsleute der <strong>Herberge<\/strong> kurz vor dem<strong> Cocuy Nationalpark<\/strong> haben kein Problem damit, uns Essen und Quartier zu geben und darauf zu vertrauen, dass wir auf dem R\u00fcckweg alles bezahlen. Drei Anrufe und einen Tag sp\u00e4ter hat uns Hernan wie durch ein Wunder aus der Ferne zwei Leih-Schlafs\u00e4cke organisiert. Zum zweiten Mal gehen wir den <strong>zweit\u00e4gigen Zustieg zum Basislager<\/strong>, \u00fcbernachten unter einem Felsvorsprung im mit Heu ausgelegten Lager der Hirten. Am See wartet unser <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/zelte\/\">Zelt<\/a>, aber noch sind wir ohne Isomatten. Wir m\u00fcssen fast die<strong> komplette<\/strong> \u201e<strong>Tierra de Condores<\/strong>\u201c <strong>noch einmal klettern<\/strong>, um unsere <strong>Ausr\u00fcstung zu bergen<\/strong>. Es ist die Chance, die wundersch\u00f6nen Kletterbewegungen richtig zu genie\u00dfen, da wir nicht mehr auf den Gipfel m\u00fcssen. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck bergen wir unsere Ausr\u00fcstung, freuen uns \u00fcber jedes St\u00fcck wie ein Geschenk an Weihnachten. Die <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/isomatten\/\">Isomatte<\/a>, der eigene Schlafsack, der Kocher.<\/p>\n\n\n\n<p>So f\u00fchlt es sich an, nach einer entbehrungsreichen Zeit die kleinen Dinge wieder zu sch\u00e4tzen. Was sind ein paar Tage mit weniger Proviant im Vergleich zum erlebten Abenteuer? Ein bisschen frieren im Vergleich zu all den Erfahrungen, die wir sammeln durften? Im Nachhinein ist selbst unsere feuchte H\u00f6hle in der Wand ein besonderer Ort, an den wir uns oft zur\u00fcckerinnern. Bei dieser riesigen Auswahl an W\u00e4nden und Routen wird es sicher nicht nur bei diesem einen Besuch im Cocuy bleiben!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Rock Climbing in Colombia: Ritacuba Blanco - Suffering in Extasy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/82765910?h=9eb0f64fda&amp;dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"640\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Material-Empfehlungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Tendon Master 7.8mm (Halbseile), Master 8.9mm (Einfachseil), Statikseil 10.0 mm<\/p>\n\n\n\n<p>Singing Rock <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/klettergurte\/\">Klettergurte<\/a>, Helme, <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/karabiner-express-sets\/\">Karabiner<\/a>, Expressen, Shuttle, Seilrollen, Steighilfen<\/p>\n\n\n\n<p>Totemcams und Basic Totemcams, Camalots<\/p>\n\n\n\n<p>Triop Tiger <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/kletterschuhe\/\">Kletterschuhe<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/marken\/optimus\/\">Optimus<\/a> Polaris Kocher (Benzin und Gas) mit Optimus Terra Lite HE Cook Set T\u00f6pfen<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.ch\/marken\/leki\/\">LEKI<\/a> Micro Vario Carbon<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine weitere Lehrstunde in Sachen Klettern in widrigen Wetterbedingungen: Bergfreunde Klara und Georg berichten \u00fcber ihren Versuch&nbsp;den&nbsp;Ritacuba Blanco (5350m) in der Cordillera del Cocuy, in Kolumbien, zu \u00fcberschreiten. 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