Wegschild E

Wandern im Ruhrgebiet: Der Baldeneysteig

Der Baldeneysteig ist ein Rundweg, der auf gut 26 km durch Wälder und über die Hügel rund um den Baldeneysee im Herzen des Ruhrgebietes führt. Viele Aussichtspunkte und Einkehrmöglichkeiten machen diese Tour zu einer landschaftlich abwechslungsreichen und sportlich anspruchsvollen Wanderung, die sich auch gut in Etappen gehen lässt. So könnt ihr auf der Hälfte der Strecke mit dem Bus zum Startpunkt zurückkehren und die Runde ein anderes Mal fortsetzen. Einstiegsmöglichkeiten gibt es viele. Ich bin am offiziellen ersten Markierungspunkt gestartet, dem Stauwehr in Essen-Werden, und gegen den Uhrzeigersinn gewandert. Ausgeschildert ist der rundweg in beide Richtungen. In Abständen von 5 km zeigen Übersichtstafeln zur näheren Umgebung, wo auf der Strecke man sich gerade befindet. Ausgewiesen ist die Route durch kleine quadratische Schilder mit der Aufschrift „BaldeneySteig“ und stilisierten grünen Hügeln über einem blauen Band, dem Baldeneysee.

Inhaltsverzeichnis

Tourdaten zum Baldeneysteig in Essen

  • Start/Ziel: Stauwehr Essen-Werden, Hardenbergufer 1, Essen
    An-/Abreise: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich
  • Alternative Start- und Zielpunkte: Haus Scheppen, Parkplatz der Sporthalle Kupferdreh, Parkplatz „Heimliche Liebe“, Zur Kluse
  • Höhenmeter: ca. 800 Hm
  • Wegstrecke: rund 26 km
  • Gehzeit: 7 Stunden
  • Einkehrmöglichkeiten: Haus Scheppen, Alter Bahnhof LUKAS, Wirtshaus zur Heimlichen Liebe, Zur Kluse, Lujo Seecafé uvm.
  • Schwierigkeitsgrad: mittel bis hoch
  • Typ: Rundwanderung, Streckenwanderung möglich
  • Geeignet für: für Familien nur in einigen Abschnitten, Wanderfreunde mit Hund, für Kinderwagen nicht geeignet
  • Ausrüstung: Bequeme Wanderschuhe (auch knöchelhoch), Tagesrucksack mit Verpflegung, je nach Wetterlage Zwiebellook

Die erste Etappe der Rundwanderung: Vom Baldeneysee hinauf auf die Hügel

Wir beginnen unsere Wanderung am Ruhrwehr, etwa 15 Gehminuten vom Bahnhof Essen-Werden. Unter der Woche und frühmorgens sind wenige Wanderer unterwegs. An den Wochenenden wird der Rundkurs in beide Richtungen den ganzen Tag über sehr gut angenommen.

Baldeneysee
Blick auf den idyllischen Baldeneysee im Herzen des Ruhrgebiets.

Gleich zu Beginn der Wanderung: Eine Umleitung

Nach einem kurzen Stück über Asphalt würden wir uns an den ersten Anstieg machen, doch der Abschnitt ist bis auf Weiteres gesperrt. Eine Umleitung ist ausgewiesen und führt uns rund 500 Meter weiter am See entlang und dann hinauf nach Werden. Wer hier nicht gut aufpasst, folgt irrtümlich einigen (eigentlich ungültigen) Markierungen für die Gegenrichtung und landet am gesperrten Wegabschnitt. Den offiziellen GPX-Track zum Baldeneysteig parat zu haben erleichtert trotz der ansonsten dichten Wegmarkierung die Wanderung noch an einigen weiteren Stellen.

Das älteste Dorf an der Ruhr: Felder und Panoramablick

Nebenstraßen und Wege sowie der eine oder andere etwas schlammige Pfad erschließen fortan eine Landschaft aus Wäldern, Wiesen, Feldern und Pferdekoppeln. Schön ist es hier, zirka 60 Meter oberhalb des Baldeneysees!

Die Villa Fislacu (Siedlung Fischlaken) wird erstmals 796 erwähnt und gilt bei einigen Geschichtsschreibern als das älteste Dorf an der Ruhr. Der Name wird mit „Fischteich“ oder „verlassener Flussarm“ übersetzt. Fruchtbare Lössböden und das relativ ebene Gelände ermöglichen bis heute Ackerbau, aber auch Viehzucht wird betrieben. Eine alte Lore der ehemaligen Zeche Pörtingsiepen weist uns charmant den Weg. Über Pfade und einen breiten Waldweg geht es hinunter zum See.

Baldeneysteig Felder und Landschaft
Weite Felder und Landschaften hat die Gegend um den Baldeneysee zu bieten.

Uferweg oder Trails?

Haus Scheppen, benannt nach den „Herren von Scheppen“, ist ein ehemaliger, adliger Lehnshof der Abtei Werden und hält bereits ab dem Morgen in seinen beiden Imbissstuben kleine und größere Stärkungen bereit. Im Sommer kommt hier die regionale Biker-Szene zusammen. Am Ufer befindet sich ein Anlegesteg der Weißen Flotte Baldeney, deren Linienschiffe zwischen Kupferdreh und Werden über den See pendeln.

Für geübte Wanderer mit Trittsicherheit verläuft die Route nun etwas abseits, aber immer noch parallel zum Uferweg. Auf einem Waldpfad gewinnen wir rasch an Höhe, bis der Weg in einem kurzen, sehr steilen und rutschigen Abstieg mündet. Umgehen lässt sich diese Passage, indem wir ab Haus Scheppen dem asphaltierten Uferweg bis zur besagten Stelle folgen und dort wieder in den Baldeneysteig einsteigen.

Sehr schmale Pfade führen über einen längeren und steilen Waldabschnitt vorbei an Höfen und Wiesen. Besonders an Wochenenden kann es hier zu Gegenverkehr kommen: Mountainbiker nutzen den verschlungenen Trail gerne als Abfahrt. Danach ist entspanntes Schlendern angesagt. Ein kleiner Schlenker über Waldpfade? Aber gerne!

Waldpfade auf dem Baldeneysteig
Die Waldpfade des Baldeneysteigs gewinnen hin und wieder rasch an Höhe.

Kupferdreh: auf dem Baldeneysteig

Einige Hundert Meter geht es nun auf der recht viel befahrenen Hammer Straße entlang. Der bewaldete Abstieg über den etwas holprigen Weg entlang der Mauerreste der ehemaligen Zeche Kaiserin Augusta führt uns Richtung See. Wir halten uns jedoch rechts für einen Abstecher zur Siedlung Dilldorfer Höhe auf dem Gelände der ehemaligen Ruhrlandkaserne. Spielplätze und Bänke laden zu einer Rast ein.

Die Wegweiser leiten uns über einen schmalen Wanderweg hinab zur Neubausiedlung „Am Seebogen“. An die einstige Zementfabrik samt Arbeitersiedlung erinnert heute nur eine Infotafel. Hier treffen wir auf den seeumrundenden Fuß- und Radweg, dem wir ein kleines Stück nach Essen-Kupferdreh folgen. Einmal am Ufer entlang um den See sind’s übrigens 14 km. Inliner, Radfahrer und Läufer schätzen den Rundkurs.

Vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde im nahen Deilbachtal ein Kupferhammer betrieben. Er gilt er als älteste Fabrikanlage der Stadt und gab Kupferdreh seinen Namen. Noch heute lässt sich die Metallverarbeitung bei diversen Schmiedevorführungen erleben.

Baldeneysteig Wegweiser
Dem zu folgenden Wegweiser des Baldeneysteigs.

Tipp für weitere Wanderungen: Der Deilbach ist Namensgeber für einen anspruchsvollen Rundweg: Auf 33 Kilometern führt der Deilbachsteig von hier in die Nachbarstädte Hattingen und Velbert. Nur etwa 21 oft sehr naturnahe Kilometer über die Hügel und durch die Täler südlich des Baldeneysees umfasst der K-Weg, der hier seinen Startpunkt hat.

Spiel, Sport und Museumsbahn in Kupferdreh

Am Seeufer von Kupferdreh herrscht besonders am Wochenende und bei Laufveranstaltungen oder Drachenbootrennen reger Betrieb. Auch die historische Hespertalbahn, die mit ihren Dampfzügen einige Ausflugsverkehre entlang des Sees bis in die früheren Zechengebiete um Haus Scheppen bestreitet, ist beliebt bei Groß und Klein. Der große Parkplatz eignet sich als Treffpunkt zum Start in den Baldeneysteig, einkehren lässt sich im Alten Bahnhof Lukas oder im SEElich. Der Bahnhof Essen-Kupferdreh befindet sich rund 10 Gehminuten vom See entfernt. Von dort fahren S-Bahnen in Richtung Essen Hbf sowie Velbert, mit dem Bus könnten wir zurück nach Werden fahren.

Hespertalbahn Gleise Baldeneysteig
Auf diesen Gleisen verkehrt die historische Hespertalbahn.

Eisenbahnbrücke gesperrt

Die ehemalige Eisenbahnbrücke hinüber nach Heisingen ist bis auf Weiteres wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Wir wandern deshalb ein Stück nach Norden am alten Stellwerk Essen-Kupferdreh vorbei und weiter zur Kampmannbrücke, über die wir auf die andere Seite der Ruhr und zurück auf den Baldeneysteig gelangen. Tipp: Wer rund 4 km Asphalt entlang des Ufers überspringen möchte, kann ab Kupferdreh mit dem Schiff nach Heisingen übersetzen.

Vom Kohleflöz den Trail hinauf

Ab der (gesperrten) Brücke gehen wir größtenteils in Ufernähe durch das Vogelschutzgebiet Heisinger Bogen zum Fördergerüst der ehemaligen Zeche Carl Funke. Von 1804 bis 1973 wurden hier reichhaltige Kohlevorkommen abgebaut. Auf schmalen, naturbelassenen und verblockten Pfaden geht es mitunter steil bergauf.

Nach dem ersten Anstieg bietet sich ein Abzweig zum Aussichtspunkt Korte Klippe, einem von mehreren ausgeschilderten Schlenkern des Baldeneysteiges, genannt „Seitenblicke“. Wir folgen dem Hauptweg, vorbei an einem weiteren Abzweig, der zum Ausflugslokal Jagdhaus Schellenberg mit Panoramaterrasse führt.

Kohlelore auf dem Baldeneysteig
Auf der Wanderung wird man immer wieder an die kohlereiche Vergangenheit der Region erinnert.

Seitenblick: Die zweite Isenburg

Der Hattinger Burgherr Friedrich von Isenberg ließ im Jahr 1225 den Erzbischof von Köln, Engelbert von Berg, ermorden. Nachdem daraufhin die Isenburg in Hattingen zerstört wurde, baute Graf Dietrich von Altena-Isenberg um 1240 die Isenburg oberhalb des Baldeneysees. Doch auch ihr war mit knapp 50 Jahren keine lange Nutzungsdauer beschieden. Den wunderbaren Blick auf den See können wir zum Glück auch von der Burgruine aus genießen.

Baldeneyer Berg und Heimliche Liebe

Wenig später erreichen wir den Baldeneyer Berg. Baldeney leitet sich ab von „Balden Aue“, einer „steilen oder engen Aue“, die sich einst an der Ruhr erstreckte. Auf immerhin 165 Metern über dem Meeresspiegel lässt es sich im „Wirtshaus zur Heimlichen Liebe“ prima aushalten: Die Villa Hügel rückt vom großen Biergarten aus ins Blickfeld.

Wer mag, entspannt bei einer Runde Minigolf gegenüber vom Lokal. Der große Parkplatz bietet einen guten Startpunkt in den Baldeneysteig. Übrigens, wir befinden uns bereits in Bredeney, einer der teuersten Wohngegenden im Ruhrgebiet.

Kruppwald und Villa Hügel

Ein sehr steiler und rutschiger Abstieg über naturbelassene Pfade sowie später auf Asphalt führt hinab zur Kluse, seit 1964 ein gemütliches Restaurant mit Biergarten. Die angrenzende Kapelle wurde Ende des 13. Jahrhunderts als Rückzugsort, einer sogenannten Klausnerei, für Damen des Essener Stifts gebaut. Der Sage nach ließ sich hier eine Verwandte des Bischofsmörders Friedrich von Isenberg (wir erinnern uns) aus Buße für den Mord einmauern.

Wir passieren ein Drehkreuz, folgen der Beschilderung tiefer in den Wald und erreichen mit einigen Anstiegen schon bald das weitläufige Grundstück der Villa Hügel. Erbaut zwischen 1870 und 1873 für den Industriellen Alfred Krupp, diente sie der Familie Krupp über viele Jahre als Wohnsitz. Heute ist die Villa Hügel ein Museum und Veranstaltungsort und erinnert an die enge Verbindung von Industrie, Gesellschaft und Geschichte im Ruhrgebiet. Der Weg führt vorbei am imposanten Torhaus sowie einem Nebenhaus, wir erhaschen nur flüchtige Blicke auf die Villa.

Eingang der Villa Hügel.
Besucher melden sich am Torhaus der Villa Hügel an.

Schuir und Wildpark Heissiwald

Waldwege wechseln sich ab mit schmalen, verschlungenen Pfaden, die einige steile Anstiege überwinden. Oben in Schuir erreichen wir den Wildpark Heissiwald. Seit den 1960er Jahren sind hier Rot- und Damwild sowie Wildschweine und Mufflons beheimatet. Gleich nebendran legen wir eine kleine Rast im Pavillon ein.

Die letzte Etappe des Baldeneysteigs in Essen

Das letzte Stück des Baldeneysteiges geleitet uns über steil absteigende Pfade und etwas Asphalt zum Ruhrwehr hinab, wo wir vor rund 28 km unsere Tour begonnen haben. Das Wehr staut die Ruhr auf etwa 8 Kilometern Länge zum Baldeneysee an. Im Wehr erzeugen zwei Turbinen als Teil eines Laufkraftwasserwerkes pro Jahr in etwa so viel Strom, dass damit gut 9.000 Haushalte mit Energie versorgt werden können.

Wir steigen die Treppen hinauf und unser Blick schweift ein letztes Mal übers Wasser und in Richtung Regattaturm mit Tribüne, auf der das Publikum bei nationalen wie internationalen Segel- und Ruderwettbewerben mitfiebert und anfeuert.

Auf unserer Wanderung rund um den Baldeneysee haben wir sechs Stadtteile Essens durchquert und dabei das Ruhrgebiet von seiner grünen Seite erlebt. Zum Abschluss statten wir der Altstadt von Werden einen Besuch ab, die mit Cafés und verträumten Gassen zum Schlendern einlädt.

Mein Fazit

Ob am Stück als Tageswanderung oder in Etappen, der Baldeneysteig macht Spaß!

  • Viel Natur im Ruhrgebiet: Der Rundweg zeigt die überraschend grüne Seite der Region mit Wäldern, Wiesen, Hügeln und schönen Blicken auf den Baldeneysee.
  • Viele Aussichtspunkte: Immer wieder eröffnen sich schöne Panoramablicke auf den Baldeneysee und das Ruhrtal.
  • Sportlich und abwechslungsreich: Rund 26 km Strecke und etwa 800 Höhenmeter sorgen für eine anspruchsvolle und zugleich sehr lohnende Wanderung.
  • Flexibel planbar: Dank vieler Einstiegspunkte und guter ÖPNV-Anbindung lässt sich der Weg auch gut in Etappen aufteilen.
  • Gut ausgeschildert: Klare Wegmarkierungen in beide Richtungen sowie Übersichtstafeln erleichtern die Orientierung entlang der Strecke.
  • Zahlreiche Einkehrmöglichkeiten: Cafés, Biergärten und Restaurants entlang der Route laden zu entspannten Pausen ein.

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Bergfreund Ralf

Ralf Bußmann ist freier Texter im Outdoor-Bereich mit Schwerpunkt Wandern. Am liebsten erkundet er die Hügel und Trails von Nordrhein-Westfalen und dem Sauerland – manchmal begleitet von kleinen Wandergruppen auf seinen Lieblingsrouten. Für schnelle Einheiten tauscht er die Wanderschuhe gegen Trailrunning-Schuhe, und Crossfit sowie Krafttraining sorgen dafür, dass die Kondition für lange Tage draußen stimmt.

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