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Die Gämse – ein wahrer Kletterkünstler der Berge

Inhaltsverzeichnis

Klack, klack, klack, einmal mit Vollgas lustig durchs Geröllfeld und dann mit zwei drei lockeren Sprüngen ab durchs verblockte Gelände. Man könnte neidisch werden. Keine Frage, Gämsen sind absolut geländegängig, auch schon die Kleinsten unter ihnen. Scheinbar mühelos meistern sie auch anspruchsvolles Gelände und Felspassagen. Und: Ich könnte mir gut vorstellen, irgendwie macht es den Gämsen manchmal einfach auch Spaß, wie die Bekloppten durchs Gelände zu rennen.

Faszinierend, also zumindest für mich. Und wisst ihr was? Gämsen sehen cool aus. Ich weiß nicht warum, aber ich finde ich die Tiere sehen oft so aus, als würden sie gerade irgendetwas im Schilde führen…

Aber was für Tiere sind Gämsen eigentlich und wo liegt der Unterschied zur Gams? Wo kann ich in freier Wildbahn vielleicht welche sehen? Und überhaupt: Was zeichnet denn diese Viecher generell so aus? Wie so oft, Fragen über Fragen. Legen wir also los und schauen, was es so über die Gämsen im Allgemeinen und die Gams im Besonderen zu erfahren gibt.

Daten und Fakten – der Steckbrief der Gämse

Gämse im Hochgebirge
Obwohl Gamswild im Hochgebirge beheimatet ist gibt es sie zum Beispiel auch auf der Schwäbischen Alb.

Wie ihr euch sicherlich schon denken könnt, gibt es die eine Gämsenart nicht. Wie oft in der Tier- und Pflanzenwelt bezeichnet der Begriff Gämse eine ganze Gattung.

Gämsen oder in der Jagdsprache auch Gams, in der Mehrzahl Gamswild genannt, kommen in Europa und Vorderasien vor. Sie besiedeln dabei überwiegend Hochgebirge von den Pyrenäen bis zum Kaukasus. Steiles und felsiges Gelände ist das Terrain der Gämsen. Kein Wunder, denn diese Tiere sind wahre Kletterkünstler und haben schon so manchen Wanderer und Bergsteiger staunen lassen.

Ein typischer Vertreter der Gämsen ist mit Sicherheit die Alpengämse, die, wie der Namen schon sagt überwiegend im Alpenraum vorkommt. Schauen wir uns also diesen Vertreter einmal näher an.

Alpengämse (Rupicapra rupicapra rupicapra)

Familie: Hornträger
Unterfamilie: Antilopinae
Tribus: Ziegenartige
Gattung: Gämsen
Art: Gämse

Kopf-Rumpf-Länge: 110-130 cm
Schulterhöhe: 70-85 cm
Gewicht: Weibchen 35-50 kg; Männchen 35-50 kg
Besondere Merkmale: Beide Geschlechter tragen bis zu 25 cm lange Hörner.

Lebensraum: Steilhänge, Mittel- und Hochgebirge
Hauptaktivität: tagsüber
Nahrung: Blätter, Triebe, Knospen, Gräser und Kräuter
Brunftzeit: November / Dezember
Tragezeit: 6 Monate
Lebenserwartung: 15-20 Jahre
Bestand im Alpenraum: ca. 500 000 (Schätzung Stand 2020)

Aussehen und Merkmale – so sieht das Gamswild aus

Gämsen sind ziegenartige Tiere und man sieht ihnen das auch an. Der Körperbau ist dabei kräftig, aber gedrungen. Die Beine sind verhältnismäßig lange und kräftig. Gämsen sind Paarhufer, die großen Hupfe ermöglichen auch in extremem Gelände eine gute Trittsicherheit. Die Tiere haben außerdem einen schlanken Hals und einen kurzen Kopf, der sich zur Schnauze hin stark verschmälert.

Egal ob Männchen oder Weibchen, das Gehörn wird ganzjährig getragen und nicht abgeworfen. In der Fachsprache (oder im Jägerlatein) werden die Hörner Krickel oder Krucken genannt. Mit durchschnittlich 25 Zentimeter Länge sind diese eher kurz. Außerdem sind sie rund, stehen vergleichsweise aufrecht und sind nur an der Spitze stark nach hinten gekrümmt.

Die Krucken wachsen über die gesamte Lebensdauer einer Gams und bilden dabei „Jahresringe“ die bei der Altersbestimmung eines Tiers Aufschluss geben können. Im Vergleich zum Steinbock sind Gämsen also deutlich zierlicher und auch die Hörner sind weniger imposant.

Gämse auf steiler Bergwiese im Sommer mit hellem Fell.
Gämse mit hellem Sommerfell. Der dunkle Aalstrich am Rücken ist hier gut zu sehen.

Je nach Jahreszeit wandelt sich das Erscheinungsbild der Gämse. Im Winter ist sie mit einem dunkelbraunen bis fast schwarzen Fell gefärbt, das Sommerfell ist mehrheitlich rotbraun, am Bauch auch gelblich-braun. Ganzjährig tragen Gämsen jedoch einen sogenannten Aalstreif. Hierbei handelt es sich um einen dunkel gefärbten Fellstreifen, der dem Rückgrat entlang, vom Hinterkopf bis zum Schwanz einen nahezu schwarzen Strich bildet.

Der Kopf der Gämsen ist überwiegend hell, von den Ohren bis zu Schnauze verläuft jedoch eine dunkle Längsbinde (also ein dunkler Fellstreifen). Diese Gesichtsmaske mit den sogenannten Zügeln ist typisch für erwachsene Gämsen und verleiht ihnen ihr besonderes Aussehen.

Lebensweise und Verbreitungsgebiet – da wohnt die Gams

Je steiler, desto geiler! ist definitiv das Motto der Gämsen, denn sie bewohnen felsiges Gelände und Steilhänge mit bis zu 60 ° Neigung. Gämsen trifft man oft in Hochgebirgen in einer Höhe von 1000-2500 Metern an, sie bewohnen aber beispielsweise auch deutlich tiefer gelegene Wälder. In Mittelgebirgen, wie den Vogesen oder im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb sind sie mitunter bei entsprechendem Gelände bereits ab einer Höhe von ca. 400 Metern anzutreffen.

Der Aufenthaltsort der Gämsen richtet sich nach der Jahreszeit. In warmen Sommern sind sie beispielsweise vermehrt an schattigen und somit oft kühleren Nordhängen zu sehen. Im Winter hingegen zieht es das Gamswild auf die Südseiten der Berge, wo die Temperaturen durch die Sonneneinstrahlung höher sind. Gerade auch in schneereichen Wintern wagen sich die Gämsen bei der Nahrungssuche in steiles und exponiertes Gelände. Dort bleibt nämlich der Schnee oft schlechter liegen und die Schneedecke ist entsprechend dünner, wodurch die Gämsen wiederum leichter Nahrung finden. Ein weiterer Rückzugsort im Winter sind steile Bergwälder.

Aber warum leben die Gämsen eigentlich überwiegend im steilen und ausgesetzten Terrain und was macht sie dabei zu den nahezu perfekten Kletterkünstlern? Eine Gams hat gleich mehrere natürliche Feinde. Hierzu zählen der Wolf, der Steinadler aber auch der Luchs und der Bär.

Die Wahl des Lebensraums in Steilhängen und Felspartien stellt dabei eine klare Feindvermeidungsstrategie dar, da weder Luchse noch Wölfe, noch Bären in derart exponiertes Gebiet folgen. Steinadler schlagen in der Regel nur Jungtiere, erwachsene Gämsen sind für ihn zu groß.

Gämsen sind Paarhufer. Das heißt, dass ihre Hufe aus zwei Teilen bestehen, den sogenannten Schalen. Diese sind einerseits sehr flexibel und können sich perfekt an den Untergrund anpassen, andererseits sind die Kanten der Hufe äußerst stabil. Im Zusammenspiel mit einer Sohle, die ähnliche Eigenschaften wie Hartgummi hat, bilden die Hufe so eine perfekte Einheit für die Fortbewegung in anspruchsvollem Terrain.

Gämsen müssen ihre exzellente Trittsicherheit nicht erst trainieren, sie liegt ihnen sozusagen in den Genen. Bereits kurz nach der Geburt können Kitze den Muttertieren folgen und auch stark ausgesetztes Gelände problemlos meistern.

Zwei Gämsen im Schnee mit langem, dunklen Winterfell.
Gämsen mit langem, dunklen Winterfell.

Sie sind zwar wahre Kletterkünstler, aber wirklich weit herum kommen Gämsen in ihrem Leben nicht. Gerade die Geißen gelten als relativ standorttreu und bewegen sich immer in etwa dem selben Gebiet. Außerdem leben Gämsen oft in Gruppen zusammen, den sogenannten Rudeln. Diese bestehen normalerweise aus mehreren Mutter- und Jungtieren oder stellen reine Junggesellengruppen dar. Ältere Böcke leben oft als Einzelgänger und wandern für die Fortpflanzung mitunter auch weitere Strecken.

Brunftzeit ist bei den Gämsen übrigens im November und Dezember. In dieser Zeit zeigen vor allem die Böcke ein deutliches Imponiergehabe und versuchen so die Weibchen für sich zu gewinnen und mögliche Konkurrenten abzuschrecken. Nach einer Tragzeit von etwa sechs Monaten, werden die Jungen dann normalerweise im Mai und Juni geboren.

Naturschutz und Jagd – die Gämse und der Mensch

Alpengämsen gehören zum jagdbaren Wild und sind im Alpenraum nicht vom Aussterben bedroht. Das Gamswild unterliegt jedoch der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU und darf dementsprechend nur mit Einschränkungen bejagt werden. Konkret: Nur dann, wenn der Erhaltungszustand als günstig eingestuft wird.

Diese Einstufung wird von den jeweiligen Ländern selbst vorgenommen und basiert auf teilweise stark unterschiedlichen Methoden, die nicht ganz unumstritten sind. Generell werden die Bestände der Gams im Alpenraum als stabil eingestuft, zuletzt verzeichnete nur Frankreich einen leichten Rückgang.

Aber nicht nur die Jagd hat Einfluss auf die Population der Gämsen. In manchen Gebieten wird beobachtet, dass sich die Bestände aus den hochalpinen Regionen mehrheitlich zurückziehen und nun tiefergelegene Wälder besiedeln. Als Grund hierfür wird vor allem der Einfluss des Menschen auf den Lebensraum der Gämsen angeführt.

Wilde Gämsen sind scheue Tiere und flüchten vor dem Menschen. Gerade im Winter verbrauchen sie dabei sehr viel Energie. Dieser Energiebedarf lässt sich aber durch das eingeschränkte Futterangebot oft nur schwer decken. Daher einmal mehr der Aufruf: Wenn ihr euch in den Bergen bewegt, bleibt auf den Wegen und geplanten Routen. Geht nicht querfeldein, schon gar nicht durch Gebiete, die als Wildschutzgebiet und somit als Rückzugsort ausgewiesen sind.

(Un)nützes Gämsenwissen – was es sonst noch zu sagen gibt…

Männlein oder Weiblein?

Will man in der freien Wildbahn wissen, ob die Gams, die man gerade durchs Fernglas sieht, männlich oder weiblich ist, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man hat einen wirklich guten Feldstecher dabei und kann ganz genau nachschauen (denn rein äußerlich sind Böcke und Geißen kaum zu unterscheiden).

Oder man wartet, bis das entsprechende Tier pieselt. Ja, richtig gehört uriniert, Wasser abschlägt, die Blumen gießt … ihr wisst, was ich meine! Denn während sich die Geißen dazu hinhocken wie man das beispielsweise von Katzen kennt, strecken sich die Böcke nach vorne und pinkeln direkt unter sich.

Die Sache mit dem Gamsbart…

Gamsbart am Trachtenhut
Der Gamsbart am Trachtenhut besteht traditionell aus den langen Rückenhaaren eines Gamsbocks.

Den Gamsbart trägt die Gams nicht im Gesicht, es handelt sich dabei also nicht um einen „handelsüblichen“ Bart. Vielmehr sind damit die Rückenhaare des Gamsbocks gemeint. Diese wachsen entlang des Rückgrats und können 20 Zentimeter lang werden. In der Brunftzeit nutzen die Böcke diese Haare um Eindruck zu schinden. Denn durch das Aufstellen des Gamsbarts wirken sie größer und somit stärker, schöner, attraktiver, man kennt das… Der Gamsbart, der von Trachtenträgern gerne mal am Hut getragen wird, besteht je nach Machart tatsächlich aus den ebenso genannten Rückenhaaren des Gamsbocks.

Chamois = „gamsfarben“

Habt ihr euch einmal über eure neue Inneneinrichtung oder einen Anstrich Gedanken gemacht und seid dabei auf den Farbton „Chamois“ gestoßen. Tja, dann ist eure neue Couch oder die Schlafzimmerwand jetzt vielleicht „gamsfarben“. Der gelbliche Farbton bezieht sich nämlich auf die Farbe von hellem Sämischleder, das unter anderen aus Gamsleder gegerbt wird. Und da die Gams im Französischen eben „Chamois“ heißt, heißt auch der Farbton so. Wieder was gelernt…

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Bergfreundin Lisa

Kurztext: Ich bin nicht zum Bergsport gekommen, der Bergsport ist zu mir gekommen. Ende der 80er haben mir meine Eltern gezeigt wie man Ski fährt und Ende der 90er habe ich das Klettern im Verein gelernt. Seit meiner Jugend gehören außerdem Ski- und Hochtouren zu meinen festen Bergsportdisziplinen.

1 Kommentar zum Artikel

  1. Philippe Paßberger 27. Dezember 2023 06:22 Uhr

    Ein super Beitrag, dass die Tiere auch durch Mittelgebirge springen war mir neu.

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