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Monviso – Der magische Berg

In der Antike galt der Monviso als höchster Berg der Alpen. Kein Wunder, denn wie kein anderer überragt er seine Umgebung um mehrere hundert Höhenmeter, die Städte und Dörfer der Poebene sogar um mehr als 3.500 Höhenmeter. Bei schönem Wetter siehst du die markante Bergpyramide von allen hohen Gipfeln des Alpenhauptkammes, vom Mont Blanc, von den Walliser Viertausendern und sogar von der Bernina. In diesem Beitrag erklären wir Dir, was Du bei einer Besteigung des schönen Bergs beachten musst und wollen Dir einige malerische Impressionen von vergangenen Monviso-Expeditionen nicht vorenthalten.

Inhaltsverzeichnis

Mit seiner Gipfelhöhe von 3.841m zählt der Monviso nicht einmal zu den höchsten Gipfeln Italiens, da muss er sich weit hinter dem Mont Blanc, fast allen Monte Rosa Gipfeln und auch hinter dem Gran Paradiso einreihen. Dennoch zählt er zu den markantesten und formschönsten Gipfeln der Alpen: Von allen Seiten erscheint er als gleichmäßige ideale Berggestalt. Eine Besteigung des Monviso gilt als relativ einfach für erfahrene und routinierte Alpinisten. Sie erfordert Kletterei bis zum III. Schwierigkeitsgrad.

Der Monviso bei Morgenstimmung.
Der Monviso bei Morgenstimmung.

Steckbrief Monviso (3.841m)

Charakter: Herausragende Hochtour

Spitzname: Der magische Berg

Beste Zeit: Juni bis September

Ausgangspunkt: Plan del Re, 2014m, gebührenpflichtigen Parkplatz. Achtung: die Straße ist ab Rifugio Plan delle Regina für Camper und Wohnmobile gesperrt.

Stützpunkt: Rifugio Quintino Sella, 2.640m, 3h ab Plan del Re

Höhenmeter: Insgesamt mit Gegenanstiegen ca. 1.400 Höhenmeter, davon 600 Höhenmeter leichte Kletterei, ca. 6h im Aufstieg, 4h im Abstieg von und bis zum Rifugio Quintino Sella.

Schwierigkeit: Klettersteigpassagen am Passo delle Sagnette bis B, am Gipfelaufbau leichte Kletterei, meist im II. Schwierigkeitsgrad, einige wenige Passagen III

Ausrüstung: Hochtourenausrüstung, im Frühsommer immer mit Steigeisen und Eispickel, Helm, evtl. Klettersteigset

Anforderungen: Alpine Erfahrung, gute Kondition

Besonderheit: Durch seine exponierte Lage ist der Monviso „anfällig“ für Wolken, Nebel und andere Wetterkapriolen. Steige also keinesfalls bei Gewittergefahr ein oder wenn eine Schlechtwetterfront naht.

Besteigungsgeschichte

Zum ersten Mal bestiegen wurde der Monviso am 30.08.1861 von William Mathews und Frederik Jacomb mit den Bergführern Jean Baptiste und Michel Croz, eben dem Michel Croz, der als einer der besten Bergführer seiner Zeit galt. Vier Jahre nach dem Monviso war er einer der Erstbesteiger des Matterhorns und stürzte im Abstieg mit dreien seiner Kunden tödlich ab. Normalerweise näherst du dich der markanten Felspyramide des Monviso aus der Poebene, also von Osten. Bei schönem Wetter erhebt er sich majestätisch über alle anderen Berge und ist nicht zu übersehen.

Aufstieg zum Rifugio Plan delle Regina

Von Saluzzo kommend steigt die Straße nach Paesana stetig an, in dem Dörfchen Crissolo biegst du dann scharf rechts ab und es geht steil hinauf zum Rifugio Plan delle Regina. Hier gibt es einen herrlichen Campground, auch für Wohnmobile und mit Stromanschluss. Ab Plan delle Regina wird die Straße nochmals schmaler. Mehr oder weniger einspurig mit Ausweichstellen fährst du bis auf 2.000m Höhe nach Plan del Re. Dort gibt es einen großen gebührenpflichtigen Parkplatz und dort beginnt deine Tour zum Monviso. Plan del Re ist ein Touristen-Hotspot. Kein Wunder bei der malerischen, traumhaft schönen Landschaft und natürlich auch, weil hier der Po entspringt.

Wolkenstimmung am Rifugio Plan delle Regina.
Wolkenstimmung am Rifugio Plan delle Regina.
Plan del Re mit Monviso.
Plan del Re mit Monviso.
Im Aufstieg von Plan del Re mit dem Monviso im Hintergrund.
Im Aufstieg von Plan del Re mit dem Monviso im Hintergrund.

Hüttenzustieg zum Rifugio Quintino Sella

Für den Hüttenzustieg solltest du dir etwas Zeit nehmen. Nominell sind es von Plan del Re zum Rifugio Quintino Sella „nur“ 600 Höhenmeter, trotzdem wirst du dafür eher 3 als 2 Stunden benötigen – denn der Weg verläuft oft flach entlang herrlicher Bergseen und steigt dazwischen nur kurz über Steilstufen in die Höhe.

Morgens am Rifugio Quintino Sella.
Morgens am Rifugio Quintino Sella.

Das Rifugio Quintino Sella ist nach dem Gründer des italienischen Alpenclubs benannt und deshalb gibt es auch gleich mehrere Rifugios mit diesem Namen. „Unser“ Rifugio Quintino Sella liegt oberhalb des malerischen, im Frühsommer noch eisbedeckten Bergsees Lago Grande di Viso. Der Gipfel des Monviso ist von der Hütte nicht zu sehen, er versteckt sich hinter der dramatischen Ostflanke.

Das Rifugio Quintino Sella mit dem teilweise eisbedeckten Lago Grande di Viso.
Das Rifugio Quintino Sella mit dem teilweise eisbedeckten Lago Grande di Viso.

Für den Hüttenzustieg gibt es noch weitere, allesamt herrliche Varianten durch einzigartige Flora und Fauna. Wenn du genügend Zeit und Kondition mitbringst, dann starte bereits am Rifugio Pian delle Regina und wandere über die Wege V9 und V10 durch herrliche Hochgebirgs-Landschaft zum Rifugio. Diese Variante ist auch für den Abstieg zu empfehlen. Allerdings nur, wenn du am Rifugio Pian delle Regina geparkt hast und außerdem nach der Gipfelbesteigung noch genügend Reserven für den gut 4h langen Abstieg hast

Auf den Monviso

Du startest in der Regel vor Sonnenaufgang, denn die Tour ist lang und die Südwestflanke schon in der Früh der Sonne ausgesetzt. Nach einen kurzen Abstieg zum Südufer des Lago Grande di Viso gilt es auf einem Klettersteig den Passo delle Sagnette (2.989m) zu überschreiten. Ein Großteil des Klettersteiges ist einfach und es handelt sich „nur“ um versicherte, ausgesetzte Wegpassagen. Trotzdem lohnt sich für die wenigen Steilstellen unter Umständen das Mitführen eines Klettersteigsets. Vom Passo delle Sagnette kannst du dann auch zum ersten Mal einen Blick auf die Südwestwand des Monviso werfen. Die Route wird sich dir aber nicht auf Anhieb erschließen, denn die Flanke ist riesig und völlig unübersichtlich. Mit etwas Gespür erkennst du die Lage des Bivacco Andreotti und die Reste des Ghiacciaio del Viso. Aber keine Bange, denn im Unterschied zu vielen anderen Westalpenhochtouren ist der gesamte Anstieg inklusive der Kletterei gut markiert.

Klettersteig zum Passo delle Sagnette.
Klettersteig zum Passo delle Sagnette.
Durch diese Flanke führt der Anstieg, bei den unteren Schneefeldern liegt das Bicacco Andreotti.
Durch diese Flanke führt der Anstieg, bei den unteren Schneefeldern liegt das Bicacco Andreotti.

Altschneefelder und gute Markierungen

Nach einem Abstieg über gut 100 Höhenmeter vom Passo delle Sagnette folgst du den anfangs roten, dann gelben Markierungen durch Geröll und Moränengelände bis zum oben erwähnten Bivacco Andreotti auf 3.277m Höhe. Bis zum Frühsommer triffst du hier auf nicht zu unterschätzende Altschneefelder, denn das Gelände ist steil und du benötigst dann zwingend Steigeisen und Eispickel. Oberhalb des Bivaccos folgt je nach Jahreszeit ein weiteres auslandendes Schnee- oder Geröllfeld und du steigst in die riesige, von Couloirs und Felspfeilern durchfurchten Südwand ein. Hier beginnt dann die eigentliche Kletterei.

Das Bivacco Andreotti.
Das Bivacco Andreotti.

Dank der häufigen gelben Markierungen kannst du die Route in dem komplexen Gelände kaum verfehlen. Entlang der Markierungen ist der Fels auch griffig und bombenfest. und du benötigst beim Klettern deine Hände mehr zum Stützen als zum Halten. Mit einem routinierten Seilhandling wirst du rasch an Höhe gewinnen. Einige, wenige Passagen erfordern den III. Grad, das tut dem Vergnügen aber keinen Abbruch, denn Felsköpfl und vereinzelte Bohrhaken bieten gute Sicherungsmöglichkeiten.

Kletterei am Normalweg auf ca. 3.600m Höhe.
Kletterei am Normalweg auf ca. 3.600m Höhe.

Free Solo nur mit Kondition

Falls du den Monviso ohne Seilsicherung besteigen möchtest, sozusagen im Free Solo, so solltest du klettertechnisch deutliche Reserven über dem III.Grad haben. Denn einige Meter neben der Ideallinie kann aus dem gemütlichen 2er auch schnell mal ein 3er oder 4er werden. So oder so solltest du die Besteigung des Monviso nicht unterschätzen, denn wie bei vielen anderen hohen Bergen musst du jede Kletterpassage im Auf- und Abstieg überwinden. Abseilen wäre zwar hin und wieder möglich, ist aber keine Alternative und würde nur Zeit kosten und den Abstieg nicht wirklich vereinfachen. Auch die Gipfelhöhe von über 3.800 Metern fordert oft ihren Akklimatisations-Tribut. Falls du aber das Glück hast, bei schönem Wetter das Gipfelkreuz zu erreichen, dann erwartet dich eines der besten Alpenpanoramen. Denn genauso wie der Monviso von den meisten hohen Alpengipfeln zu sehen ist, so gilt dies selbstverständlich auch umgekehrt vom Monviso aus.

Am Gipfel.
Am Gipfel.

Kurzbeschreibung Monviso

Routenbeschreibung: Vom Rifugio Quintino Sella (2.640m) zunächst leicht absteigend zum Südufer des Lago Grande di Viso, dann dem Wegweiser „Monviso, Passo delle Sagnette“ folgend auf gutem Steig, zuletzt über einen Klettersteig (B) in den Passo delle Sagnette.

Kurzer Abstieg über ca. 100 Höhenmeter Richtung Westen, dann den anfangs roten, dann gelben Markierungen folgend durch teils mühsames Moränengelände zum Bivacco Andreotti, 3.277m, ca. 3h vom Rifugio Quintino Sella.

Achtung: Bei Schnee sind oft Steigeisen notwendig, sonst bis zum Bivacco gute Wegspuren ohne Kletterei.

Vom Biwak folgst du den Wegspuren noch weitere ca. 100 Höhenmetern bis zum Beginn der Kletterei. Die gelb markierte Route führt dich im Zickzack ohne nennenswerte Schwierigkeiten durch die riesige Flanke. Einige kurze Passagen erfordern dann doch mehr Engagement, alles in allem bewegt sich die Kletterei meist im II. Schwierigkeitsgrad und ist gut absicherbar.

⏱️Aufstieg gesamt: ca. 6h vom Rifugio Quintino Sella
🔁Abstieg: auf demselben Weg, ca. 4h

Blick vom Gipfel auf die Po-Ebene.
Blick vom Gipfel auf die Po-Ebene.

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Bergfreund Christof

Christof Schellhammer machte mit 21 Jahren sein Hobby zum Beruf. Seither ist er als staatlich geprüfter Bergführer und Skiführer in den Alpen und den Gebirgen der Welt unterwegs. Vor über 30 Jahren gründete er gemeinsam mit seinem Freund Wolfgang Pohl die rennomierte Ski- und Bergschule VIVALPIN, eine der führenden Anbieter im Alpenraum. Gemeinsam haben sie viele junge Bergführer und Skiführer bis zur Staatlichen Prüfung ausgebildet und Fachliteratur zum Thema Bergsteigen veröffentlicht. Christofs Erfahrung und Leidenschaft machen ihn zu einem der anerkanntesten Experten im alpinen Raum.

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