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Heißt das Murmeltier vielleicht Murmeltier, weil es immer vor sich hin murmelt oder vielleicht deshalb, weil es gerne mit Murmeln spielt? Es könnte aber auch sein, dass bestimmte Teile des Tiers im Altertum zu Murmeln verarbeitet wurden, vielleicht die Nierensteine? Tja, um das zu erfahren müsst ihr diesen Artikel lesen. Was es außerdem noch so mit dem Murmeltier auf sich hat, und warum es unter gewissen Gesichtspunkten sowohl Maus, als auch Katze, Bär und Affe ist, kommt jetzt.

Daten und Fakten

Murmeltier mit Nüssen im Maul
Murmeltiere sind die drittgrößten Nager in Europa.

Die Gattung der Murmeltiere besteht aus 15 verschiedenen Arten, die über die komplette Nordhalbkugel unseres Planeten verteilt leben. Murmeltiere sind Nager und damit in gewisser Weise auch mit Mäusen oder Eichhörnchen verwandt.

Auffällig ist dabei, dass Murmeltiere im Vergleich zu vielen Verwandten sehr groß sind und mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 50 cm (Alpenmurmeltier) in Europa nach Stachelschwein und Biber Platz drei der größten Nagetiere belegen. Die unterschiedlichen Murmeltierarten sind weit verbreitet und unterscheiden sich von Art zu Art in ihrem Aussehen und Sozialverhalten stark voneinander.

Im Alpenraum lebt jedoch einzig und alleine das Alpenmurmeltier. Dieses wollen wir heute stellvertretend für die ganze Gattung einmal gründlicher unter die Lupe nehmen.

Alpenmurmeltier (Marmota marmota)
auch: Mankei oder Murmel (Österreich, Süddeutschland), Mungg (Schweiz)

Ordnung: Nagetiere
Unterordnung: Hörnchenverwandte
Familie: Hörnchen
Unterfamilie: Erdhörnchen
Tribus: Echte Erdhörnchen
Gattung: Murmeltiere
Art: Alpenmurmeltier

Kopf-Rumpf-Länge: 40-50 cm
Schwanzlänge: 10-20 cm
Gewicht: innerhalb eines Jahres stark schwankend, mindestens 3 kg (Männchen)

Verbreitungsgebiet: Alpen, Karpaten, Hohe Tatra, Pyrenäen, Schwarzwald
Lebensraum: baumfreie Gebiete ab 800 Meter bis ca. 200 Meter oberhalb der Baumgrenze, vereinzelt auch Höhenlagen bis 3000 Meter
Nahrung: Wurzeln, Blätter, Blüten, Kräuter und Gräser
Hauptaktivität: tagsüber
Winterschlaf: Oktober bis März
Paarungszeit (Bärzeit): April und Mai
Tragezeit: ca. 5 Wochen
Lebenserwartung: durchschnittlich 12 Jahre

Aussehen und Merkmale

Alpenmurmeltier im hohen Gras
Das Alpenmurmeltier ist erkennbar an seinen kräftigen Schultern.

Das Aussehen der Alpenmurmeltiere liegt irgendwo zwischen seltsamem Biber, viel zu großem Meerschweinchen und extrem fetter Katze. Die Fellfarbe der Alpenmurmeltiere kann von Tier zu Tier variieren. Hierbei erstreckt sich die Farbskala von dunkelgrau über hellbraun bis hin zu rötlich. Auch sehr dunkle Färbungen, die nahe ans Schwarze heranreichen, kommen gelegentlich vor.

Der Kopf der Murmeltiere ist in der Regel immer dunkel gefärbt, die Schnauze ist dabei aber immer deutlich heller. Das Fell ist außerdem sehr dicht und bietet dem Tier einen guten Kälteschutz. Wenngleich Murmeltiere eigentlich immer ein wenig struppig aussehen, ist das Fell jedoch vergleichsweise weich und fühlt sich ein wenig wie ein Hundefell an. Einmal im Jahr, zumeist im Juni, findet ein Fellwechsel statt.

Der Körperbau der Murmeltiere ist gedrungen, auffällig sind dabei aber die kräftigen Schultern. An den Vorderfüßen haben Alpenmurmeltiere lediglich vier Zehen, was ihnen das Graben im Erdreich erleichtert. Die Hinterfüße haben fünf Zehen. Murmeltiere gehen, wie auch der Mensch auf der kompletten Fußsohle und können ihre Vorderpfoten auch zum Halten von Nahrung und dergleichen einsetzen.

Wie bereits erwähnt, gehören Murmeltiere zur Ordnung der Nagetiere und haben ein entsprechendes Gebiss. Auffällig sind dabei die langen Schneidezähne, die ebenfalls zum Graben verwendet werden und ein Leben lang nachwachsen.

Lebensweise und Verbreitungsgebiet

Die unterschiedlichen Murmeltierarten leben über die gesamte Nordhalbkugel verteilt. Die genaue Systematik der Murmeltiere ist dabei ein wenig kompliziert und die Abgrenzung einzelner Arten in der Wissenschaft nicht unumstritten. Für unsere grobe Übersicht ist das an dieser Stelle aber auch nicht sonderlich wichtig. Schauen wir uns einfach einmal an, wo welches Murmeltier täglich grüßt:

Europa

  • Steppenmurmeltier: überwiegend Osteuropa, aber auch Gebiete in Zentralasien
  • Alpenmurmeltier: Alpen, Karpaten, Hohe Tatra, Pyrenäen. Durch Ansiedlung auch vereinzelt in Mittelgebirgen (Schwarzwald, Schwäbische Alb)

Amerika

  • Alaska-Murmeltier: nördliches Alaska
  • Eisgraues Murmeltier: Alaska, Westküste Kanada und nördliche USA
  • Gelbbauchmurmeltier: Westen Kanada und USA (Rocky Mountains, Sierra Nevada)
  • Waldmurmeltier: Nordamerika (vor allem Kanada und nördliche USA)
  • Olympisches Murmeltier: US-Bundesstaat Washington, endemisch auf der Olympic-Halbinsel
  • Vancouver-Murmeltier: Kanada, Vancouver Island

Asien

  • Graues Murmeltier: Kasachstan, Nordwestchina, Mongolei
  • Schwarzhut-Murmeltier: Sibirien (Baikalsee bis Kamtschatka)
  • Langschwanzmurmeltier: Zentralasien (Tianshan-Gebirge, Hindukusch, Karakorum, Kaschmir)
  • Himalaya-Murmeltier: Himalaya, Westchina
  • Waldsteppenmurmeltier: südwestliches Sibirien, endemisch im Gebiet Nowosibirsk, Tomsk und Kemerowo
  • Menzbiers Murmeltier: Tian Shan Gebirge (Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan Nordwestchina)
  • Sibirisches Murmeltier: südliches Sibirien, Mongolei
Zwei Murmeltiere auf einem Fels in den Bergen
Murmeltiere sind sehr soziale Tiere.

Aber wenden wir uns nun wieder dem Alpenmurmeltier zu. Dieses lebt in Familienverbänden, die aus einem Elternpaar und den Nachkommen mehrerer Jahrgänge bestehen. Eine Murmeltierfamilie kann so problemlos bis zu 20 Tiere umfassen. Innerhalb der Familie herrscht eine klare Rangordnung. Gleichzeitig sind Murmeltiere äußerst soziale Tiere, so werden beispielsweise auch Waisenkinder anderer Familien vereinzelt aufgenommen. Auch am Bau und Erhalt ihres Baues sind alle Familienmitglieder gemeinsam beteiligt.

Das Alpenmurmeltier bewohnt in den genannten Gebieten zumeist Höhenlagen ab der Baumgrenze bis ca. 200 Meter darüber. Auch gerodete und dauerhaft baumfreie Flächen unterhalb dieses Bereichs, werden von den Tieren vereinzelt als Revier benutzt. Generell findet man Murmeltiere aber erst ab einer Höhe von mindestens 800 Metern.

Einer der Gründe hierfür ist in der Evolutionsgeschichte zu finden. Murmeltiere sind eigentlich echte Urtiere und kamen bereits in der Eiszeit in Europa vor und besiedelten vor allem das Tiefland. Ihr Körper ist bestens an das Leben in kalten Regionen angepasst, kommt jedoch mit höheren Temperaturen nur schlecht klar.

Mit dem Temperaturanstieg wanderte es daher in immer höhere und somit kühlere Lagen. Sie besiedeln dabei alpine Matten mit einem tiefgründigen Boden, der ihnen ausreichen Platz für ihren Bau bietet.

Die Baue werden meist über Generationen ins Erdreich gegraben und bestehen aus einem weit angelegtem System aus Kammern und Tunneln. Man unterscheidet dabei generell zwei Arten von Bauen. Die sogenannten Sommerbaue werden von den Murmeltieren in den wärmeren Monaten ständig genutzt. Diese Baue liegen nicht besonders tief unter der Erde und dienen den Tieren in erster Linie als Rückzugsorte um sich vor Fressfeinden aber auch der Sommerhitze zu schützen.

Winterbaue liegen deutlich tiefer unter der Erde und sind somit frostsicher. Sie dienen den Murmeltieren als Überwinterungsstätte und bestehen aus mehreren großen Schlafkammern sowie kleineren Kammern, die den Tieren zum Absetzen des Kots dient. Die Winterbaue werden zur besseren Isolation bereits im Spätsommer mit Heu, das die Tiere eigens dazu auf den Wiesen sammeln, ausgepolstert. So ergibt sich mit der Zeit eine warm und weich gepolsterte Schlafkammer für den Winterschlaf.

Der Winterschlaf findet bei den Murmeltieren gemeinsam statt. Mehrere Familienmitglieder teilen sich dabei eine Schlafkammer und wärmen sich gegenseitig. Der Winterschlaf dauert in der Regel fünf bis sechs Monate und wird von den Tieren mehrfach nur kurz unterbrochen um Kot und Harn abzusetzen. Die Tiere sind dabei aber nicht richtig wach, sondern verharren in einer Art Halbschlaf.

Man kann sich das vielleicht so vorstellen, wie wann man nachts das Bett nur mal schnell zum Pieseln verlässt und sich danach gleich wieder hinlegt und weiterschläft. Während der Zeit des Winterschlafs verlieren Alpenmurmeltiere bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts. Für sie ist es also wichtig, in den Sommermonaten entsprechende Fettreserven zu bilden.

Interessant ist, dass der Winterschlaf nicht etwa durch ein knapper werdendes Nahrungsangebot oder sich verändernde Temperaturen gesteuert wird. Vielmehr haben die Tiere eine Art innere Uhr und ein Gespür dafür, wann die Zeit gekommen ist in den Winterschlaf zu gehen oder ihn zu beenden.

Nützliches und unnützes Murmeltierwissen

  • Murmeltier im Gebirge.
    In Österreich und der Schweiz werden Murmeltiere bejagt.

    Murmeltiere gelten als Jagdwild. In Österreich und der Schweiz werden jährlich mehrere tausend Tiere erlegt, in Deutschland ist die Jagd durch eine ganzjährige Schonzeit eingestellt. Der Jäger nennt die weiblichen Tiere übrigens „Katzen“, die Männchen „Bären“ und die Jungtiere „Affen“.

  • Hat man ein Murmeltier erlegt, kann man Unterschiedliches damit machen. Beispielsweise es essen. Glaubt man diversen Beschreibungen gilt das Fleisch als Delikatesse, schmeckt aber gelinde gesagt, ein wenig anspruchsvoller. Vor allem das Fett der Tiere ist dabei kaum genießbar, wird aber trotzdem anderweitig verwendet. Nämlich in Form von Salben und Tinkturen, denen vor allem in der Volksmedizin eine heilende und schmerzlindernde Wirkung zugesprochen wird.
    Das Fell wird gelegentlich zu Jacken und Mänteln verarbeitet und wurde früher aber auch zur Herstellung von Medizin gegen dies das und jenes verwendet. Die Zähne des Murmeltiers gelten übrigens als Jagdtrophäen.
  • Ein natürlicher Feind der Murmeltiere ist der Steinadler, der während einer Brutsaison bis zu 70 ausgewachsene Murmeltiere schlagen kann. Der Rotfuchs kann ausgewachsene Murmeltiere nur aus dem Hinterhalt erbeuten und konzentriert daher seine Jagd, ebenso wie Kolkraben und Baummarder, überwiegend auf Jungtiere.
    Nimmt ein Murmeltier Gefahr wahr, warnt es seine Familienmitglieder durch einen lauten Pfiff. Entgegen früherer Annahmen stellen Murmeltiere hierzu jedoch keinen Wächter ab. Murmeltiere pfeifen aber nicht nur um sich gegenseitig vor Gefahr zu warnen, sondern kommunizieren mit einer Vielzahl von Lauten.
  • Wer jetzt aber denkt, dass das Murmeltier so heißt, weil es immer vor sich hin murmelt, der liegt falsch. Auch ist es nicht so, dass die Tiere zur Bildung starker Nierensteine neigen, die im Mittelalter als murmeln verwendet wurden. Alles Quatsch. Der Begriff Murmeltier erklärt sich durch das althochdeutsche Wort „murmunto“, das wiederum vom lateinischen Begriff „Mus montis“ abstammt. Das Murmeltier ist also dem Namen nach eine Bergmaus. Wie sich das damit vereinbaren lässt, dass die weiblichen Tiere gleichzeitig auch Katzen sind, sei mal dahingestellt…
  • Der Groundhog Day, also der Murmeltiertag, wird jedes Jahr am 2. Februar in mehreren Orten der USA begangen. Es handelt sich dabei um ein kulturelles Fest, das zur nicht ganz ernstgemeinten Wettervorhersage für den nahenden Frühling dient. Hierzu werden Waldmurmeltiere erstmals nach dem Winterschlaf aus ihrem Bau gelockt.
    Richten sie sich danach auf und sehen ihren Schatten (weil die Sonne scheint) so soll der Winter noch sechs Wochen andauern. Sehen sie ihren Schatten nicht (weil es bewölkt ist) steht angeblich der Frühling vor der Türe. Laut einer Studie liegt die Trefferquote der Tiere dabei bei 37 % und liegt dabei absolut im Bereich des Zufalls.
  • Im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ von 1993 geht es um einen egozentrischen Wetteransager, der in einer Art Zeitschleife festhängt und den Groundhog Day, wieder und wieder erlebt. Der Film spielt dabei in der Gemeinde Punxsutawney (Philadelphia), die auch in Wirklichkeit seit 1886 alljährlich den Murmeltiertag feiert und seine Murmeltiere jeweils  „Punxsutawney Phil“ nennt. Der Film wurde jedoch in Woodstock (Illinois) gedreht, woraufhin die Gemeinde ebenfalls Feierlichkeiten zum Groundhog Day eingeführt hat und seither mit „Woodstock Willie“ das Wetter vorhersagt.

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Bergfreundin Lisa K.

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Kurztext: Ich bin nicht zum Bergsport gekommen, der Bergsport ist zu mir gekommen. Ende der 80er haben mir meine Eltern gezeigt wie man Ski fährt und Ende der 90er habe ich das Klettern im Verein gelernt. Seit meiner Jugend gehören außerdem Ski- und Hochtouren zu meinen festen Bergsportdisziplinen.

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