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Rondane – Unterwegs im ältesten Nationalpark Norwegens

Inhaltsverzeichnis

Touren im Rondane Nationalpark
Der Rondane Nationalpark.

Folgt man der Hauptverkehrsader Norwegens, der E6 Richtung Trondheim, bietet sich in der Nähe der Stadt Otta in der Kommune (Fylke) Oppland die Möglichkeit in den Rondane Nationalpark auf die Straße RV27 abzubiegen. Diese Abzweigung ist durchaus lohnenswert, denn obwohl man sich noch relativ im Süden des Landes befindet, bekommt man hier schon richtiges Nordland-Feeling. Und wenn Du die richtige Hütte als Ziel auswählst, kannst Du Dich auf geniale Waffeln freuen!

Rentiere und Hochebenen

Der Rondane Nationalpark wurde 1962 gegründet und ist somit der älteste Nationalpark in ganz Norwegen. 2003 wurde er nochmals erweitert und heute hat er eine stolze Fläche von 963 km². Das Rondane ist ein typisches Hochgebirge mit Berggipfeln, die im nördlichen Teil des Parks mit insgesamt zehn Gipfeln die 2000er Marke überschreiten, dazwischen laden ausgedehnte Hochebenen zum Wandern und Trekken ein. Vor allem der südliche Bereich des Parks besteht aus scheinbar unendlich weiten Ebenen, die durch Seen und Täler unterbrochen werden.

Touren im Rondane Nationalpark
Eine der vielen Schluchten im Nationalpark.

Das schnelle Abschmelzen der Gletscher der letzten Eiszeit formte kleinere Schluchten. Es finden sich aber auch viele bewaldete Gebiete, die teilweise von Norwegern mit ihren Sommerhütten bewohnt werden.

Im ersten Moment denkt man, hier würde ja immer Schnee liegen, da der Boden so weiß aussieht. Doch sieht man genauer hin, erkennt man, dass die Landschaft teils kilometerweit mit weißem Islandmoos und Rentierflechten überzogen ist.

Diese Flechten sind Hauptnahrungsmittel der hier frei lebenden Rentiere, die nicht den einheimischen Samen gehören und somit auch nicht domestiziert sind. Bis zu 4000 Tiere befinden sich im Nationalpark und um diese noch besser zu schützen, wurden Wanderwege auch teilweise verlegt. Gelegentlich sieht man auch Moschusochsen, die hauptsächlich im angrenzenden Dovrefjell Nationalpark zu Hause sind.

Rentier im Rondane Nationalpark
Eines der vielen Rentiere im Rondane Nationalpark.

Heute trennt nur noch ein schmaler Streifen mit einer Straße und wenigen Ortschaften beide Parks. Braunbären und Elche befinden sich eher in den niedrigeren Randgebieten.

Tourismus im Nationalpark

Das Allemannsretten (Jedermannsrecht) in Norwegen besagt, dass man die Natur genießen und deren Früchte nutzen darf, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen des jeweiligen Ortes. Klar ist, dass man nicht das Gemüsebeet des Nachbarn plündern sollte. Vielmehr ist damit gemeint, dass man campen und wandern kann, wo man möchte. Voraussetzung dafür ist natürlich, keinen Müll zu hinterlassen und die Natur nicht negativ zu beeinflussen oder gar zu zerstören.

Grenzstein im Rondane Nationalpark
Ein typischer Grenzstein.

Der Norwegische Wanderverein DNT bewirtschaftet einige Hütten, die durch die Wanderwege verbunden sind. Die Wege werden allesamt durch ein rotes “T”, das auf Steine aufgemalt wird, gekennzeichnet. Im Winter gibt es hier auch reizvolle Skipfade zum ausgedehnten Langlaufen.

Peer Gynt Hytta – Waffeln wie aus einem Gedicht

Ob Mehrtagestour oder gemäßigte Wanderung, im Rondane Nationalpark kommt jeder auf seine Kosten. Besonders der leichte Höhenweg zur Peer Gynt Hytta ist ein Schmankerl mit 100 % Rondane-Erlebnis. Den Ausgangspunkt Kampen erreicht man über die E6, von der man in Selsverket, nördlich von Otta in Richtung Reiret abbiegt.

Am Ende der kleinen Siedlung befindet sich ein Parkplatz, von welchem man nach links Richtung Peer Gynt Hytta geht. Gleich zu Beginn des Weges ziert ein altes Auto aus Kriegszeiten den Wegesrand, denn dieses Gebiet war ein wichtiger Rückzugsraum der Widerstandsbewegung gegen den deutschen Nationalsozialismus.

Wir wandern auf einem steinigen Weg aufwärts in die Hochebene hinein und es bietet sich ein fantastischer Ausblick auf das Smiubelgin-Massiv und dem See Furusjöen. Danach senkt sich der Weg leicht in ein Tal ab und man erreicht das moorige Gebiet Skorutbergmyre. Die Peer Gynt Hytta kann man nun bereits in der Ferne erkennen.

Waffeln an der Peer Gynt Hytta
Marianne lässt sich die leckeren Waffeln schmecken.

Am Rande des Moores geht es weiter, bis wir auf großen Steinen und einem Holzbrett den Fluss Vesle Ula überqueren. Der Endspurt geht wieder leicht bergauf, bis man schließlich die Hütte erreicht. Zur Peer Gynt Hytta gehört neben der Hütte selbst auch eine kleine Siedlung von Steinhäusern, die man zum Übernachten mieten kann. Wer nun hungrig ist, kann sich selbstgemachte Waffeln vom Holzofen holen und einen Kaffee dazu genießen.

Obwohl es in Norwegen an jeder Ecke Waffeln zu kaufen gibt, war bisher keine so gut wie die in der Peer Gynt Hytta. Wenn man sich dann gestärkt hat, ist der Canyon Impertgulpen, der ein Resultat der Eiszeit ist, noch ein tolles Highlight. Dafür überquert man einfach die Wiese hinter der Hütte und folgt dem tosenden Geräusch des Flusses.

Für Kinder ist diese Tour ebenfalls ein schöner Ausflug, da es landschaftlich sehr interessant ist und die 200 Höhenmeter mit festem Schuhwerk auch von den kleinen Wanderern gut bewältigt werden können.

Geschichtlicher Exkurs

Ihren Namen verdankt die Hütte dem Autor Henrik Ibsen, der sich 1867 kritisch mit dem damaligen Nationalismus Norwegens auseinandersetzte. Die Ulöyhytta, eine Nebenhütte, soll geistige Geburtsstätte für sein dramatisches Gedicht “Peer Gynt” gewesen sein.

Zunächst wurde 1925 die Bewirtschaftung in der Ulöyhytta aufgenommen. 1932 wurde die Peer Gynt Hytta erbaut, um von hier aus den Widerstandskampf gegen die Besatzung durch Hitler-Deutschland zu unterstützen. So ist die Hütte nicht nur eine schöne Wanderung im Rondane Nationalpark, sondern auch ein wichtiger Punkt in der Geschichte der norwegischen Literatur und Geschichte.

Zum Schluss noch ein paar Fakten

  • Ausgangspunkt: Kampen Parkplatz
  • Höhenmeter: 200 hm
  • Gehzeit: 2,5 Stunden
  • Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten: Peer Gynt Hytta; Übernachtung in Steinhütten mit Voranmeldung möglich
  • Ausrüstung: Tagestour mit festem Schuhwerk; ein paar Kronen für Kaffee und Waffel nicht vergessen

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Bergfreundin Marianne

Aufgewachsen im bayrischen Voralpenland war es das naheliegenste, dass ich selbst mal im Bergsport aktiv werde. Am liebsten gehe ich zum Bergsteigen ins Karwendel und auf lange Läufe durch Täler und auf Berge. Dabei finde ich es am Schönsten, wenn ich keine Menschen treffe und nur die Natur um mich herum ist. Manchmal packt mich dann der Ehrgeiz und ich melde mich für einen Trail-Wettkampf an. Hier fasziniert mich, meine Grenzen auzutesten und mich mit anderen zu messen. Die Stimmung bei solchen Events ist immer motivierend. Mein Herz habe ich jedoch an die norwegische Natur verloren. Seit ich ein kleines Kind bin, reisen wir mit der Familie nach Norwegen zum Wandern und Entdecken. Seit dem versuche ich fast jedes Jahr in den Norden zu reisen. Neben der “Schreiberei” für die Bergfreunde absolviere ich gerade eine Ausbildung zur Holzbildhauerin. So kann ich meine Kreativität noch stärker ausleben.

1 Kommentar zum Artikel

  1. Marius 6. März 2018 19:45 Uhr

    Schöner Beitrag! Durch den Ronda und das Dovrefjell kommt mal teilweise auch, wenn man den St. Olavsweg läuft. Vor allem das Dovrefjell hat mir sehr gefallen :)

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