Während beispielsweise in den Ammergauer Alpen oder am Ostallgäuer Aggenstein teils sehr schwierige Anstiege erschlossen wurden, finden sich am Rubihorn vergleichsweise moderate Routen. Dazu kommt: Der Zustieg zur Wand ist überschaubar und gut ohne Ski machbar, was den logistischen Aufwand deutlich reduziert.
Im März 2021 kletterten Michaela Schuster und ich zwei neue Linien im zentralen Teil der Rubihorn Nordwand. „Fast Lane“ ist gut eingerichtet und bietet nicht nur interessante Kletterei, sondern auch die ein oder andere Option zum Überholen bei erhöhtem Verkehrsaufkommen in der „Klassischen Nordwand“.
Die hier beschriebene „Rubi Direct“ hingegen beinhaltet kaum fixes Material und ist bei vergleichbaren Schwierigkeiten dementsprechend deutlich anspruchsvoller.
Die Erstbegehung
Bei unseren vorherigen Erstbegehungen am Rubihorn arbeiteten wir teils über Jahre daran, den besten Routenverlauf auszutüfteln und die Routen so einzurichten, dass sie für Wiederholer trotz eines gewissen Gesamtanspruchs gut nachvollziehbar sind.
Die Erstbegehung der Route „Rubi Direct“ erfolgte mit einem etwas anderen Ansatz: Zum einen wollten wir eine möglichst direkte Linie zum Gipfel finden, zum anderen eine möglichst natürliche Route hinterlassen.
Abgesehen von einer Seilschlinge am Stand nach der ersten Seillänge (große Schuppe) wurde von uns kein Material belassen. Nur im Mittelteil, wo die Route gemeinsam mit der „Mittleren Nordwand“ verläuft, stecken ein paar Haken.
Charakter und Absicherung
„Rubi Direct“ ist eine Rubihorn-typische Gras-Mixedroute für routinierte Winterkletterer.
Sie führt in direkter Linie zum Gipfel und bietet schöne, meist einfache Kletterei, mit einer spektakulären 3. Seillänge.
Die Route ist weitestgehend „clean“ – eine brauchbare Absicherung ist nur mit etwas Geduld, handwerklichem Geschick und dem richtigen Material zu haben. Es darf gehämmert werden!
Bei der Erstbegehung verzichteten wir gänzlich auf Zwischensicherungen und konzentrierten uns aufs Bauen sicherer Stände, die meist aus vier Fixpunkten bestanden. Zum Verbinden der Fixpunkte verwendeten wir zwei 6-mm-Polyamid-Reepschnüre mit einer Länge von jeweils 6 m (höhere Dehnbarkeit und damit besserer Kräfteausgleich als bei Kevlar oder Dyneema).
Die richtigen Bedingungen
Entscheidend sind eine stabile, gut gesetzte Schneedecke sowie tiefe Temperaturen, damit die Graspolster halten. Zumindest nachts und morgens sollten die Temperaturen in der Wand deutlich unter null liegen.
Eine Wiederholung sollte man nur bei eindeutig guten Bedingungen in Betracht ziehen!
Folgendes Material wurde von uns für den Standplatzbau verwendet
- Eisgeräte, die sich als Grasanker eignen (wichtig für mehrere Standplätze)
- Felshammer für Vor- und Nachsteiger
- 1-2 große und 1 mittlerer BD Pecker
- 2 BD Spectre o. Ä. als Grasanker
- Haken: 1 Z-Profilhaken, 1 Fichtlhaken, 1 mittlerer Drehmomenthaken, 2 Knifeblades
- 2 x 6 m 6-mm-Polyamidreepschnur für den Standplatzbau
- Rocks Gr. 6 und 7
- Hexentric Gr. 8
- Tricam Gr. 1.5, 2 und 3.5
- Cam Gr. 0.2 und 0.3
- Ein paar Exen und Schlingen
Anfahrt und Zustieg
Vom Parkplatz „Gaisalpe“ am Ortsrand von Reichenbach (bei Oberstdorf) dem geteerten Fahrweg zur Gaisalpe folgen. Nach kurzer Zeit entweder links durch den im Winter offiziell gesperrten Gaisalptobel (etwas schneller) oder weiter über den Fahrweg.
Etwa 50 m, nachdem der Tobelweg und der Fahrweg wieder aufeinander treffen, zweigt man rechts ab und folgt einem Forstweg. Vorbei an der unteren Richtersalpe zum großen Geröllfeld unterhalb der Rubihorn Nordwand. Das Geröllfeld hinauf bis kurz vor (ca. 30 m) den Einstieg der „Klassischen Nordwand“. Insgesamt ca. 1h30.
Abstieg
Fußabstieg vom Gipfel: Im Bereich des Sommerwegs zum unteren Gaisalpsee und weiter zum Wanderweg, der zur Gaisalpe führt.
Rückzüge: Am besten über eine der benachbarten Routen (Doppelseil oder Rapline dann wahrscheinlich hilfreich).
Weitere Informationen
Die wichtigsten Infos für eine Wiederholung der Route findet ihr hier in kompakter Form: Rubihorn Nordwand Rubi Direct Infos + Routenbeschreibung


