Was genau ist Alpenglühen?
Beim Alpenglühen handelt es sich um ein Phänomen in den Bergen, das immer dann eintritt, wenn die Gipfel bei Sonnenauf- oder -untergang so aussehen, als ob sie glühen würden. Besonders intensiv und farbenprächtig ist das Ganze, wenn die Berghänge verschneit sind, oder es kurz vor Sonnenuntergang geregnet hat. Schnee oder auch nasse Felshänge reflektieren das Licht deutlich besser, was für ein regelrechtes Glänzen sorgt.
Das Besondere beim Alpenglühen ist, dass nur die Gipfel der Berge rötlich bis golden angestrahlt werden, während tiefer gelegene Bereiche im Schatten bleiben. Dabei kommt das Phänomen – Überraschung – nicht nur in den Alpen, sondern in allen Gebirgen der Welt vor. Alpenglühen gibt’s sowohl in den Dolomiten, als auch in den Anden oder dem Himalaya. Dennoch wird es im internationalen Sprachgebrauch „Alpenglow“ genannt. Mit Sicherheit gibt es unzählige regionale Bezeichnungen in unzähligen Sprachen. Doch Trekker, Wanderer und Bergsteiger sagen auch in den Anden oder im Himalaya: „Oh, look: Alpenglow!“
Die Basics zum Alpenglühen:
- Lichtspiel in den Bergen
- Bei Sonnenauf- und -untergang zu sehen
- Weltweites Phänomen
Das Alpenglühen und wie es entsteht
Aber was ist denn nun das Alpenglühen und wie entsteht es? Beim Alpenglühen handelt es sich um eine ganz besondere Lichtstimmung, die im Wesentlichen auf zwei unterschiedliche Phänomene zurückzuführen ist. Die Berge färben sich, weil sie vom Licht der tiefstehenden Sonne gelblich, orange oder rötlich eingefärbt werden. Dabei gibt es häufig zwei unterscheidbare Phasen: die erste und die zweite Färbung.
Spiel mit Licht und Schatten – die erste Färbung
Das Alpenglühen entsteht durch den starken Kontrast von stark angeleuchteten Berggipfeln und dunklen, noch oder schon verschatteten, tieferliegenden Bereichen. Hinzu kommt oft eine deutliche Rotfärbung des Lichts, die diesen Kontrast eindrücklich verstärkt. Bei der ersten Färbung werden die Berggipfel direkt von der tiefstehenden Sonne angestrahlt. Das Licht reflektiert und zeichnet sich in der Regel als breites Band oberhalb der Schattengrenze ab. Auch tragen Schnee, Eis und nasser Fels zur Verstärkung des Effekts bei. Die auf diese Weise angeleuchteten Gipfelbereiche heben sich deutlich vom Vordergrund ab, der bereits oder noch im Dunkeln liegt. Wer also in den Bergen gerade dabei ist, einen Sonnenuntergang zu beobachten, sollte sich gelegentlich umdrehen, denn das Alpenglühen findet genau in der entgegengesetzten Richtung statt.
Erste Färbung kurz erklärt:
- Steht im Zusammenhang mit der Dämmerung
- Berggipfel werden durch tiefstehende Sonne angestrahlt
- Verschattung in tieferen Regionen sorgt für einen Kontrast
Reflektiertes Dämmerungslicht – die zweite Färbung des Alpenglühens
Steht die Sonne tiefer als der Horizont, tritt die zweite Färbung des Alpenglühens auf. Die Berggipfel werden dabei nicht direkt beleuchtet. Partikel in der Luft, beispielsweise Eiskristalle oder Staub, reflektieren das Licht und sorgen somit dafür, dass die Berggipfel in ein indirektes Licht getaucht werden. Hierdurch ist die zweite Färbung jedoch deutlich schwächer als die erste Färbung des Alpenglühens. Durch die sehr tiefstehende Sonne ist der Himmel in dieser Phase darüber hinaus bereits sehr dunkel, wodurch sich nicht selten ein beeindruckender Kontrast ergibt.
Zweite Färbung kurz und knapp:
- Entsteht nach der Dämmerung
- Sonnenlicht wird von Partikeln in der Luft reflektiert
- Indirektes Licht beleuchtet die Gipfel

Alpenglühen: Warum sich die Berge rot färben
Alpenglühen entsteht durch einen Streueffekt in der Atmosphäre. Dieser ist auch mitverantwortlich für den allgemeinen Farbwechsel des Sonnenlichts im Laufe des Tages und sorgt beispielsweise auch dafür, dass Abendrot entsteht. Er ist umso stärker, je länger der Weg der Lichtstrahlen durch die Atmosphäre ist. Mittags ist dieser Weg am kürzesten, da die Sonnenstrahlen die Atmosphäre im steilsten Winkel durchqueren und somit am wenigsten atmosphärische Partikel im Weg sind. Ein Streueffekt bleibt daher zu dieser Tageszeit weitestgehend aus.
Bei Sonnenauf- und -untergang ist der „Durchquerungswinkel“ flach und somit die Strecke des Lichts durch die Atmosphäre am längsten. Vereinfacht gesagt besteht Licht aus Strahlen mit unterschiedlichen Wellenlängen. Blaues Licht hat dabei eine kürzere Wellenlänge als rotes. Auf ihrem Weg durch die Atmosphäre werden die kurzwelligen Strahlen des blauen Lichts stärker abgelenkt. Das rote Licht kommt „ungehinderter“ durch, weshalb sein Anteil mit wachsender Wegstrecke durch die Atmosphäre zunimmt. Hierdurch ist auch das Abendrot „rot“ und die Gipfel nehmen beim Alpenglühen eine gelblich-rote Färbung an.
Die Sache mit dem roten Licht:
- Bei tiefem Sonnenstand legt das Licht einen weiten Weg durch die Atmosphäre zurück
- Hierbei wird es (teilweise) in seine Spektralfarben aufgeteilt
- Kurzwellige Strahlen (blau) werden vermehrt abgelenkt
- Erhöhter Anteil der langwelligen Strahlen (rot) färbt das Licht
Bedingungen für das Alpenglühen
Wie bereits erwähnt, kann das Alpenglühen sowohl beim Sonnenaufgang, als auch beim Sonnenuntergang auftreten. Beobachtet man in den Bergen ein Abend- oder Morgenrot, sollte man sich gelegentlich auch umdrehen, denn das Alpenglühen findet immer in der anderen Richtung statt. Um das Phänomen beobachten zu können, müssen allerdings ein paar Faktoren zusammenkommen.
- Das Alpenglühen kann theoretisch das ganze Jahr über eintreten. Allerdings sind die Chancen für dieses Phänomen im Sommer und Herbst am größten.
- Das Wetter muss möglichst klar und der Himmel darf nicht komplett wolkenverhangen sein.
- Berggipfel und Felsriegel müssen eine geeignete Projektionsfläche für das Licht ergeben und dürfen nicht durch andere, höhere Berge verschattet werden.
- Helles Gestein, Schnee, Gletscher und Nässe begünstigen den Effekt des Alpenglühens. Bewaldung frisst ihn hingegen regelrecht auf.
Hier lässt sich das Alpenglühen beobachten
Darüber hinaus sind einige Regionen aufgrund ihrer Topografie begünstigt und das Alpenglühen lässt sich dort in besonders beeindruckender Form beobachten. Je freier ein Gipfel oder Felsriegel steht, desto ausgeprägter ist oft auch das Alpenglühen. Manche Gipfel spiegeln sich darüber hinaus in Seen, was die besondere Lichtstimmung nochmals eindrücklicher macht. Hier kommt eine Auswahl von besonderen Orten:
- Dolomiten, Rosengarten. Das Alpenglühen in den Dolomiten ist besonders eindrucksvoll. Das liegt vor allem an den markanten Felsen und Gipfeln, die das Licht stark reflektieren. Man spricht daher auch von den „Burning Dolomites“ – den brennende Dolomiten.
- Tirol, Wilder Kaiser. Diese Gebirgsgruppe in den nördlichen Kalkalpen ist ebenfalls bekannt für ein ausgeprägtes Alpenglühen. Wer die Wanderung zum Astbergsee nicht scheut, kann bei guten Verhältnissen zusätzlich beobachten, wie sich das Alpenglühen im See spiegelt.
- Wallis, Matterhorn. Im Stellisee bei Zermatt spiegelt sich das Matterhorn. Zusätzlich lässt sich von hier aus auch das Alpenglühen am Matterhorn und die entsprechende Spiegelung im See beobachten.
- Patagonien, Fitz Roy. Auch außerhalb der Alpen lässt sich das Naturschauspiel beobachten. Beispielsweise am Fitz Roy, der mit seinem markanten Gipfel sowohl zu dem chilenischen Nationalpark „Bernardo O’Higgins“ als auch zum argentinischen Nationalpark „Los Glaciares“ gehört.
- Sonderfall Flug: Wer das Glück hat, bei Dämmerung über ein Hochgebirge zu fliegen, kann bei entsprechenden Bedingungen sehen, wie sich das Alpenglühen über zahlreiche Berge ausbreitet.
Neben den genannten Regionen gibt es inner- und außerhalb der Alpen unzählige Orte, von denen aus sich das Alpenglühen beobachten lässt. Wer also regelmäßig auf Bergtour geht oder beispielsweise eine Alpenüberquerung plant, wird gute Chancen haben, hin und wieder auch das markante Lichtspiel beobachten zu können. Einzige große Einschränkung: Stark bewaldete Mittelgebirgsgipfel „leuchten“ generell nicht.
Ein Lichtspiel in den Bergen, das einzelne Gipfel und Felsriegel in ein gelbes bis rotes Licht taucht.
Das Alpenglühen tritt bei Sonnenauf- und -untergang auf. Es kann theoretisch das ganze Jahr über eintreten, im Sommer und im Herbst sind die Chancen jedoch am größten.
An unzähligen freien Berggipfeln in den Alpen und anderen (Hoch-)Gebirgen. Heller Fels und Schnee begünstigen das Lichtspiel, bei starker Bewaldung tritt das Alpenglühen nicht ein.

