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Leinen – Revival der nachhaltigen Rohstoffe in der Textilindustrie

Inhaltsverzeichnis

Schon tausende von Jahren bevor der erste synthetische Faden zu sogenannter Funktionsbekleidung gesponnen, gewebt und gestrickt wurde, zählte Leinen zu den ersten Geweben, die der Mensch überhaupt zu Bekleidung verarbeitete. Lein ist bereits im Mittelalter verwendet worden, und kann sogar im alten Rom und in Ägypten bis ins vierte Jahrtausend vor Christus nachgewiesen werden. Zusammen mit Hanf und Wolle zählt Lein damit zu den ältesten Rohstoffen der Textilherstellung.

Lein ist einer der ältesten Rohstoffe der Textilindustrie.
Lein ist einer der ältesten Rohstoffe der Textilindustrie.

Während Hanf vielen durch seine auffällig geformten Blätter bekannt ist, erkennt nicht jeder auf Anhieb den Lein, bei dem vor allem die bläulich-violetten Blüten sehr hübsch aussehen. Dabei ist Lein viel mehr als ein reiner Lieferant von Fasern für die Textilindustrie. Lein ist eine uralte Heilpflanze, dient in Form von Leinöl und -samen als Nahrungsmittel, und lässt sich für zahlreiche industrielle Anwendungsbereiche einsetzen: von der Papierherstellung, über Lacke, bis hin zu Baustoffen und sogar als Bestandteil von Bremsbelägen.

Lein, Flachs oder Leinen?

Aus der botanischen Familie der sogenannten Leingewächse ist der „Gemeine Lein“ die einzige Sorte, die sich für den wirtschaftlichen Anbau eignet. Daneben gibt es etliche Leinarten, die sich nicht für die  Weiterverarbeitung zur Faser oder als Öl im größeren Umfang eignen. Je nach Nutzung wird in der weiterverarbeitenden Industrie zwischen Öllein und Faserlein unterschieden. Die Bezeichnung Flachs leitet sich sprachlich vom „Flechten“ ab und wird oft synonym zum Lein oder Leinen verwendet. Genau genommen ist Flachs aber nur die Faser des Gemeinen Leins. Allerdings wird der Begriff auch oft für ein fertiges Gewebe in Form von Leintuch oder Leinwand benutzt. Mit seinem lateinischen Namen „Linum usitatissimum“ gibt der Lein bereits einen wichtigen Hinweis auf seine „vielfältige Verwendbarkeit“. Eine dieser Möglichkeiten ist die Herstellung von Leinen, dem textilen Gewebe aus den Fasern der Leinpflanze.

Anbau und Verarbeitung von Faserlein für die Textilindustrie

Faserlein wird als einjährige Pflanzen angebaut, die im Grunde keine zusätzliche Düngung oder Verwendung von Pestiziden erfordert. Dabei ist der Lein ziemlich anspruchslos und wächst vom Frühjahr bis in den Sommer. So wird er zwischen 20 cm und 1 m hoch und blüht ungefähr zwischen Juni und August.

Während in Nordamerika die größten Anbaugebiete für Öllein zu finden sind, stammt der meiste Flachs – also Faserlein – aus China, Russland, Weißrussland und der Ukraine. In Europa wird lediglich in Frankreich und Großbritannien eine nennenswerte Menge Faserlein angebaut. Im deutschsprachigen Raum ist Flachs dagegen fast überhaupt nicht mehr auf den Anbauflächen zu finden.

Nachdem die Baumwolle seit über einem Jahrhundert die Schlüsselposition in der Textilindustrie übernommen hat, steigt mit der zunehmenden Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit in der Bekleidungsbranche auch die Nachfrage nach natürlichen Fasern, wie zum Beispiel Wolle, Hanf oder Flachs. Im weltweiten Vergleich ist ihr Anteil gegenüber konventionell angebauter Baumwolle oder synthetischer Fasern wie Polyester und Polyamid aber immer noch verschwindend gering.

Knapp 27 Millionen Tonnen Baumwolle hat man allein in der Saison 2019/20 angebaut. Dagegen kommen Öllein und Faserlein zusammen nicht einmal auf 10% dieser Menge.

Die Fasern des Leins zählen zu den besonders langen Bastfasern. Sie lassen sich relativ simpel für die Weiterverarbeitung aufbereiten, und können sehr fein gesponnen werden. Leinfasern sind sehr glatt und schließen kaum Luft ein. Dennoch sind sie in der Lage, Feuchtigkeit gut aufzunehmen, und auch schnell wieder abzugeben. Dadurch eignet sich Lein sehr gut für die Herstellung von funktioneller Sportbekleidung. Ähnlich wie Merinowolle sorgt Leinenbekleidung für angenehmen Temperaturausgleich, also für einen kühlenden Effekt bei Hitze und gleichzeitig für Wärme bei niedrigeren Temperaturen.

Weicher Tragekomfort für Outdoorkleidung

Auch in der Outdoorbekleidung setzen immer mehr Hersteller auf Leinen.

Der Trend zu nachhaltiger Mode aus natürlichen Rohstoffen lässt das Angebot von Alltags- und Freizeitbekleidung aus Hanf, Bio-Baumwolle und Leinen immer weiter wachsen. Auch funktionelle Outdoorbekleidung und Freizeitmode für Outdoorsportler aus Leinen ist bei Outdoorfirmen immer häufiger im Sortiment zu finden. Beliebt sind dabei vor allem intelligente und funktionelle Materialkombinationen, wie zum Beispiel Boulderhosen von E9, die aus Leinen, Bio-Baumwolle und Elasthan gefertigt werden, oder Funktionsshirts von Odlo, bei denen Polyester und Leinen zu einer atmungsaktiven und angenehm kühlenden Materialmischung verwoben werden.

Ivanhoe of Sweden bietet neben Shirts, Kleidern und Röcken aus Mischgewebe auch Bekleidung aus 100% Leinen an. Auch als Kombination mit der Cellulosefaser Lyocell, wie bei Armedangels oder sogar in warmen Hardshellmänteln von Vaude wird regelmäßig Leinen verwendet. Ob Mountainbike-Shorts von ION oder Sneaker von Gola – die funktionelle Naturfaser Lein steckt in viel mehr Outdoorbekleidung, als man zunächst vermuten würde, und verändert durch kleinere oder größere Materialanteile nicht nur die einzelnen T-Shirts, Hosen, Jacken und Schuhe, sondern damit auch die gesamte Bekleidungsbranche, die immer mehr auf den nachwachsenden, umweltfreundlichen und funktionellen Rohstoff Lein setzt.

Hypoallergene Faser mit antibakterieller Wirkung

Die Oberfläche der Leinfasern sind besonders glatt. Daher sind Leinenstoffe im Vergleich zu Baumwolle, Wolle und vielen anderen Stoffen praktisch frei von Flusen und Fusseln. Durch das glatte Gewebe haftet an Leinen kaum Schmutz, und auch Bakterien haben ihre Schwierigkeiten, sich am Leinengewebe festzukrallen. Diese antibakterielle Eigenschaft macht Bekleidung aus Leinen nicht nur sehr hygienisch, sondern bietet auch für Allergiker eine gute Alternative zu vielen anderen Textilfasern.

Auf der Haut fühlt Leinen sich sehr angenehm an. Das liegt einerseits an seinen temperaturregulierenden Eigenschaften, und andererseits an seiner weichen und glatten Oberfläche. Trotzdem ist Leinenstoff keinesfalls empfindlich: im Gegensatz zu Baumwolle und anderen Naturfasern ist Leinen sogar ausgesprochen robust. Dadurch ist Bekleidung aus Leinen in der Regel auch länger haltbar als beispielsweise solche aus Baumwolle. Dadurch relativiert sich meistens auch der höhere Preis von Leinenbekleidung. Durch die aufwendigere Verarbeitung entstehen bei der Herstellung von Leinenstoffen höhere Kosten als bei der konventionellen Baumwollproduktion. Allerdings braucht sich ein ökologisch angebauter und pestizidfreier Leinenstoff, der hypoallergen ist , besonders gut Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt und dabei das ganze Jahr über durch angenehmen Temperaturausgleich begeistert, ohnehin nicht mit konventionell angebauter Baumwolle zu messen.

Das Einzige, was die Baumwolle tatsächlich einfach besser kann, ist glatt auszusehen. Reine Leinenstoffe sind durch ihre langen Fasern nie ganz glatt und sehen immer etwas knittrig aus. Natürlich gibt das der Oberfläche reiner Leinenbekleidung auch „das gewisse Etwas“ und sorgt dafür, dass Leinstoffe sich bewusst von anderen Textilien abheben. Wer also einen betont „nachhaltigen Look“ bevorzugt, liegt mit Leinenbekleidung genau richtig.

Im Mischgewebe mit anderen Naturfasern oder synthetischen Fasern kommt der Knitterlook dagegen nicht mehr so zum Vorschein. Vor allem in technischer Funktionsbekleidung für Wanderer, Trailrunner und Mountainbiker kommt Leinen eher wegen seiner hautfreundlichen und atmungsaktiven Eigenschaften zum Einsatz.

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Bergfreund Jan

Angefangen hat alles mit Camping im selbstgebauten Wohnmobil. Im Winter erst auf zwei Brettern am Anfängerhügel, später dann nur noch auf einem im Powder. Im Sommer fast immer am und auf dem Wasser – ganz egal ob am Meer, See oder Fluss. Mal auf zwei Rädern über die Schwäbische Alb, mal auf vier Rollen durch die Stadt oder mit Wanderstiefeln an den Füssen in den Alpen, Pyrenäen und im Himalaya. Ob mit Kletterseil im Kalkstein, mit Klettersteigset im Granit oder mit Bouldermatte am Kunstharz.

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